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Kinder- und familienfreundliches Salzgitter

Rede in der Eröffnungsveranstaltung zur kinder- und familienfreundlichen Stadt am Mittwoch, 19. September, von Oberbürgermeister Frank Klingebiel.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich zu der heutigen Eröffnungsveranstaltung. Ich freue mich außerordentlich, dass so viele meiner Einladung gefolgt sind und sich mit mir zusammen auf den Weg begeben wollen, um Salzgitter zu einer der kinder- und familienfreundlichsten Städte Deutschlands zu machen. Besonders begrüße ich Frau Wenzl, die Kinderbeauftragte der Stadt Stuttgart, die im Anschluss an meine einleitenden Worte zu Ihnen sprechen wird.

Frau Wenzl: Sie waren es, die mich beim diesjährigen Epiphaniasempfang der Propstei Salzgitter-Bad am 06. Januar diesen Jahres mit Ihrer Begeisterung für das Thema ansteckten (regelrecht infizierten). Kurzer Hand trafen wir uns am nächsten Tag bei mir zu Hause, um das Thema zu vertiefen. Aus dieser eher zufälligen Begegnung ist inzwischen eine enge Verbindung entstanden - zwischen Ihnen, meinem Amtskollegen Dr. Schuster und mir und zwischen unseren Städten. Hierfür herzlichen Dank!

Sie, liebe Frau Wenzl, üben Ihre Funktion in Stuttgart schon seit Jahren aus und haben sich in der baden-württembergischen Landeshauptstadt und darüber hinaus einen Namen gemacht. Deshalb sind wir alle gespannt darauf, was Sie uns heute zu dem Thema sagen werden. Ebenso freue ich mich, dass zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kirche, Kindergärten, Schulen und Vereinen an dieser besonderen und für Salzgitter zukunftsweisenden Auftaktveranstaltung teilnehmen.

Besonders begrüßen möchte ich noch die Lehrerdelegation aus unserer Partnerstadt Stary Oskol, die zurzeit die BBS Fredenberg besuchen. Diese Schule und die Schule Nr. 22 in Stary Oskol pflegen schon seit Jahren intensive Kontakte. Herzlich willkommen!

Licht aus, Spot an!


Meine Damen und Herren,

„Kinder sind unsere Zukunft", „Kindgerechtes Deutschland", „Eine Welt fit für Kinder", diese und ähnliche Schlagworte beherrschen seit einigen Monaten die Schlagzeilen. Leider werden sie all zu oft einfach nur so dahin gesagt. Wer schmückt sich denn schließlich nicht gerne mit dem derzeitigen Top-Thema? In Salzgitter soll Kinder- und Familienfreundlichkeit jedoch keinesfalls nur eine Worthülse sein. Es ist mein fester, also unabrückbarer politischer Wille auf diesem Gebiet gemeinsam mit Ihnen einen großen Schritt nach vorne zu tun! Ich spreche also vom 1. selbst gesetzten zentralen Gegenstand meiner politischen Arbeit als OB.

Kinder- und Familienfreundlichkeit ist ein Gefühl, eine Einstellung, die ich in jedem Bürger Salzgitters verankert wissen will. Kinder sollen in Salzgitter willkommen sein! Kinder sollen sich in Salzgitter wohl fühlen!

Ich will Ihnen kurz an meiner Person aufzeigen, was ich meine! Ich bin hier geboren, in einem intakten Elternhaus aufgewachsen, gerne zu meiner Schule gegangen, eng verwurzelt in Freundeskreis, Nachbarschaft, Kirche und Sportverein - bis hin zur eigenen Familie. Glauben Sie aber nicht, ich hätte keine Probleme gehabt. Ich hatte aber immer vertraute Menschen an meiner Seite, die mich ernst genommen haben und an meinen Sorgen und Nöten teilnahmen. Sie könnten jetzt sagen: Glück gehabt! Und es damit bewenden lassen. Das aber darf gerade nicht passieren! Die Entwicklung unserer Kinder darf nicht von Zufall oder Glück abhängen! Wir alle sind aufgerufen - ja verpflichtet - uns um die Zukunft jedes einzelnen Kindes zu sorgen.

Dass Sie mich nicht falsch verstehen: Im Hinterkopf habe ich auch die Sorgen unserer alten Menschen, die eine menschenwürdige Pflege verdient haben. Sie - also unsere älteren Mitbürger - sollen sich nicht vergessen fühlen! Meine Eltern sind Ende 70. Ich weiß, was sie umtreibt. Und ich bin stolz, dass ich bereits jetzt sagen kann, dass in Salzgitter sehr viel Engagement für Kinder und Familien aufgebracht wird. Zu nennen sind schlaglichtartig:

  • Bündnis für ein Leben mit Kindern in Salzgitter
  • die Einrichtung des Kinder- und Familienservicebüros
  • der Start des Projekts „Wellcome" der Evangelischen Familienbildungsstätte
  • das Projekt „Haus der Familie" der katholischen Familienbildungsstätte
  • das Programm der FreiwilligenAgentur „Big Friends for Youngsters (Biffy)" unter der Trägerschaft der AWO
  • das Mehrgenerationenhaus des Mütterzentrums
  • und viele, viele mehr.

Allen daran Beteiligten meine Annerkennung und mein großer Dank!

Mein Ziel ist es, die bestehenden Strukturen jetzt zu stärken, noch mehr zu vernetzen und gemeinsam mit Ihnen dieses zentrale Zukunftsthema prioritär weiterzu-entwickeln.

Auf der Basis einer umfassenden Bestandsanalyse sollen die für Salzgitter maßgebenden Zielzahlen, die es in allen Teilbereichen der Kinder- und Familienpolitik langfristig zu erreichen gilt, festgelegt werden. Ich möchte dies an einem konkreten Beispiel erläutern: Bei der Einschulungsuntersuchung 2006 waren rd. 44 % unserer Grundschulkinder übergewichtig. Als Ziel könnte formuliert werden in 7 Jahren diesen nicht hinnehmbaren Prozentsatz auf 10 % zu reduzieren. Jahr für Jahr um 5 %! Jedes Jahr würde dann geprüft werden, ob das jährliche Ziel tatsächlich auch erreicht wird oder durch weitere oder andere Maßnahmen gegengesteuert werden müsste.

Meine Damen und Herren, das heißt überhaupt nicht, dass ich die in unserer Stadt vorhandenen Kompetenzen verdrängen oder gar eine Konkurrenzveranstaltung durchführen will - ganz im Gegenteil - ich baue gerade auf Sie! Und auf die von Ihnen bereits geschaffenen Strukturen, Bündnisse und Netzwerke. Ich möchte Sie dabei einbinden, weil mein Ziel ohne Sie nicht erreichbar sein wird.

Kinderfreundlichkeit und Familienfreundlichkeit sollen auch überregional das Markenzeichen Salzgitters sein. 2015 soll Salzgitter zu den kinder- und familienfreundlichsten Städten Deutschlands zählen. Dafür werde ich mich ganz persönlich und nachhaltig einsetzen. Ein wesentlicher Schritt war daher die Einrichtung des Referates für Kinder- und Familienförderung und die Ausschreibung der Stelle einer Kinderbeauftragten bzw. eines Kinderbeauftragten. Die Kinderbeauftragte oder der Kinderbeauftragte wird mir direkt unterstellt und in engem Kontakt mit dem zuständigen Fachdienst die direkte Zusammenarbeit mit Ihnen im Netzwerk übernehmen. Die zentralen Aufgabenschwerpunkte sind daher u.a. die Planung, Koordination und Kontrolle von städtischen Aktivitäten zur Erhöhung der Kinder- und Familienfreundlichkeit.


Faktisch bedeutet dies, dass jede Verwaltungsmaßnahme darauf geprüft wird, ob sie die Belange der Kinder und Familien berührt und, wenn ja, angemessen berücksichtigt. Das Impulse geben für einen kinder- und familienfreundlichen Wirtschaftsstandort. Hier stehen ganz klar die Gespräche und Kontakte zu den in Salzgitter ansässigen Unternehmen im Fokus der Arbeit. Und die Aufstellung und Fortschreibung eines Kinder- und Familienförderplanes, zu dem ich im Anschluss an die Rede von Frau Wenzl noch einmal konkret Stellung beziehen werde.

Bevor ich jedoch das Wort abgebe, steht mir noch eine besonders schöne Aufgabe bevor. Wie Sie sicherlich der lokalen Presse entnommen haben, habe ich über den Zeitraum der Sommerferien dazu aufgerufen, das Salzgitterlogo zu einem Kinderlogo umzugestalten. Und die Resonanz hat mich schon tief beeindruckt! Insgesamt sind 36 wunderschöne, kreative Vorschläge eingereicht worden. Sie können alle auf dem Gang im Atrium bewundert werden. Und ich verspreche Ihnen: Sie werden ebenfalls begeistert sein! Mit wie viel Herzblut und Kreativität die Kinder - aber auch die Erwachsenen - an die Umgestaltung unseres Stadtlogos herangegangen sind. Tauchen Sie in die Kinderwelt.

Lassen Sie sich von den mit viel Liebe gezeichneten Details in den Bildern mit auf die Reise nehmen - in eben diese Kinderwelt. An dieser Stelle: allen Kindern und Erwachsenen, die an der Aktion teilgenommen haben: Herzlichen Dank! Aus allen Einsendungen galt es mit Hilfe einer Jury einen Gewinner zu küren. Die Jury, bestehend aus Frau Heissenberg von der Salzgitter-Zeitung, dem Vorstandsmitglied der Salzgitter AG Dr. Fuhrmann, dem Vizepräsident der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel Herrn Küch, Jil Grabowski, dem Kind einer Mitarbeiterin unserer Verwaltung, und mir hat am letzten Freitag den Gewinner ausgewählt.

Und die Auswahl fiel uns wirklich nicht leicht. Jedes Logo hätte es verdient, unseren Briefbogen zu schmücken. Aber es kann ja nur einen Sieger geben! Nach einem ersten Jury-Durchlauf sind die Logo-Vorschläge von Bastiana Baier, Lennart Meyer und Paula Schäfer in die engere Wahl zur Endabstimmung gekommen. Ich freue mich, dass ich alle drei heute hier begrüßen darf. Bastiana, Lennart und Paula - Kommt doch bitte mal zu mir. Na, aufgeregt? Was habt ihr denn gemalt?

Das Sieger-Logo wird von meinem Mitarbeiter Alberto Bertram professionell aufgearbeitet und künftig auf allen kinder- und familienbezogenen Schriftstücken zu finden sein. Der Sieger bekommt einen individuellen Preis im Wert von 150 €. Ich möchte nun unser jüngstes Jurymitglied bitten das Siegerlogo zu enthüllen. Jil: bitte lüfte das Geheimnis! Die Jury hat sich für das Logo von Paula Schäfer entschieden!  

Liebe Paula, ich gratuliere Dir ganz herzlich und freue mich Dir diesen Gutschein überreichen zu können. Selbstverständlich habe ich für Euch beiden auch was! (Gutscheine werden an Lennart Meyer (6 Jahre, Platz: 2) und Bastiana Baier (12 Jahre, Platz: 3) überreicht) Vielen Dank und ich bin echt stolz auf Euch!

Meine Damen und Herren! Neben dem Logowettbewerb hatte ich auch zu einem Malwettbewerb aufgerufen. Hier sind über 150 wunderschöne Vorschläge eingegangen. Die Bilder sind im Foyer ausgestellt und laden ebenfalls zum Anschauen ein. Alle Kinder werden zu einer gesonderten Veranstaltung in die Eissporthalle eingeladen, auch dort gibt es eine Verlosung unter allen Teilnehmern mit Gewinnen im Wert von 300 €. Auch Euch allen herzlichen Dank!

Im Zusammenhang mit diesen von mir eingeleiteten Mal-Projekten möchte ich auf die United Kids Foundation zu sprechen kommen, die sich in der Region sehr stark für Kinderprojekte einsetzt. Die United Kids Foundation besteht aus einem Zusammenschluss von verschiedenen Stiftungen, der Initiator ist Robert Lüdenhoff, Medienmanager aus München. Derzeit laufen fünfzehn regionale Projekte der Stiftung, u.a. Aktionstage in Kindergärten und Grundschulen zum Schutz vor sexueller Gewalt, therapeutische Ferien für traumatisierte Kinder und Workshops an Schulen zu Bewegung und Ernährung.

Die Salzgitter AG wird sich dankenswerterweise als neues Mitglied in der United Kids Foundation künftig auch verstärkt in diesem Bereich in und für Salzgitter engagieren- hier sind Ihre Ideen und Ihre Kreativität für neue Projekte gefragt! Ich weiß aus vielen Gesprächen mit Herrn Dr. Fuhrmann und Bernd Gersdorff, die heute leider beide verhindert sind, dass das Unternehmen und auch sie ganz persönlich meine Zielrichtung unterstützen werden.

Ich freue mich Ihnen den Fachgebietsleiter der Musikschule Salzgitter, Herrn Herzberg, mit Kindern der Musikschule und Begleitung ankündigen zu dürfen. Herr Herzberg, bitteschön!


Liebe Kinder,

ich bedanke mich ganz herzlich für Euren wunderschönen Auftritt und übergebe nun das Wort an die Kinderbeauftragte der Stadt Stuttgart, Roswitha Wenzl.

(Nach der Rede von Frau Wenzl erneut eine Aufführung des Kindermusicals)

Freuen Sie sich mit mir auf eine weitere Darbietung der Musikschule.

Übergabe der Gutscheine an die Kinder.


Liebe Frau Wenzl, vielen Dank für Ihren umfassenden Vortrag. Ich meine: eindrucksvolle Worte! Die Stadt Stuttgart ist beispielhaft aufgestellt im Bereich der Kinder- und Familienförderung. Hier zeigt sich ganz besonders, dass die konsequente Zielverfolgung unter stringenter Prioritätensetzung sowohl kurzfristig, aber insbesondere langfristig erhebliche Früchte trägt. Ich habe daher in Salzgitter bereits vor der Besetzung der Stelle der Kinderbeauftragten bzw. des Kinderbeauftragten erste vorbereitende Maßnahmen eingeleitet.

Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme der für Kinder und Familien vorhandenen Förderungen, Dienstleistungen und Ansätze sowie eine Sammlung aller zum Ausbau eines kommunalen Netzwerkes notwendigen Informationen. Diese Bestandsaufnahme soll als 1. Teil des Konzepts „Kinder- und familienfreundliche Stadt Salzgitter" veröffentlicht werden. Die im Ratssaaleingang liegenden Bögen mit Ihren Unterschriften werden übrigens als Deckpappen für die Veröffentlichung verwendet und dienen als Symbol für das bereits deutlich in Salzgitter bestehende Engagement im Bereich der Kinder- und Familienförderung.

Später soll in einem 2. Teil unter Federführung der Kinderbeauftragten bzw. des Kinderbeauftragten die Weiterentwicklung mit den dazu gehörenden Ideen, Zielen und Maßnahmen konzipiert werden. Der Gliederungsvorschlag für die Bestandsaufnahme ist Ihnen schon mit der Einladung für die heutige Veranstaltung zugegangen. Wenn Sie Ihre Kompetenzen zur Verfügung stellen möchten, können Sie sich in Sitzungszimmer 65 in die ausliegenden Listen eintragen.

Ich möchte Sie nun mit einigen ganz konkreten Beispielen aus diesem Konzept bekannt machen und übergebe das Wort dazu an die Fachdienstleiterin des Bereichs Kinder, Jugend und Familie, Frau Dr. Krum. Ich bin glücklich, dass ich in Frau Dr. Krum für meine politische Zielsetzung eine sehr gute Mitarbeiterin habe, deren hohe Kompetenz allseits anerkannt ist.

Sehr verehrte Damen und Herren,

Kindergarten heute heißt:  Kinder bilden, fördern und betreuen. Salzgitter ist zukunftsorientiert. Unser Handeln müssen wir daran ausrichten und überprüfen, wie es genutzt werden kann, unsere Zielsetzungen ganzheitlich und nachhaltig zu gewährleisten. Im Focus stehen hier: Salzgitter, die kinder- und familienfreundliche Stadt und Salzgitter, die Lernstadt; wobei Schule und Bildung ein zentrales Handlungsfeld im Komplex kinder- und familienfreundliche Stadt darstellen.

Eine Frage ist hier: Wie kann das frühkindliche Bildungssystem zu gerechter Teilhabe an Bildung beitragen und sozialer Ausgrenzung bereits im frühen Kindesalter - ich betone dies - entgegenwirken? Der Kindertageseinrichtung als erster Bildungsinstitution eines Kindes jenseits der Familie kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Als Lern- und Lebensort kann die Kita dazu beitragen, herkunftsbedingte Benachteiligungen bereits in den frühen Lebensjahren auszugleichen. Zentrale Voraussetzungen hierfür sind neben einer hohen pädagogischen Qualität eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung.

Die Stadt Salzgitter investiert in die Förderung der Kinder in Tageseinrichtungen und Tagespflege derzeit 10,6 Mio. €. Diese Investitionen in die frühkindliche Bildung sind sinnvoll und können helfen, kostspielige Sozialleistungen zu einem späteren Zeitpunkt zu vermeiden. „Jedes Kind mitnehmen" bedeutet einbeziehen statt ausgrenzen, wertschätzen statt abstempeln, Teilhabe ermöglichen statt stigmatisieren. Arbeitskreisergebnisse der Leitungskräfte der Kindertagesstätten haben gezeigt, dass die Belastung des Kita-Alltags durch verhaltensauffällige Kinder inzwischen als das größte Problem in ihrem Berufsleben beklagt wird.

Zunehmend viele Kinder wachsen in sozial schwierigen Verhältnissen auf. Diese Kinder und ihre Familien müssen gezielt gefördert werden. Dies ist ein Schwerpunkt meines Fachdienstes. Gerade in benachteiligten Wohngebieten sind gute Betreuungs- und Bildungsangebote wichtig. Studien zu unserer modernen Gesellschaft belegen, dass die Zahl der Eltern zunimmt, die weder mental noch alltagspraktisch in der Lage sind, ihren Kindern Daseinskompetenzen wie Bindungs- und Konfliktfähigkeit, Durchhaltevermögen, emotionale Stabilität oder haushälterische Grundkompetenzen zu vermitteln.

Selbst bei gutem Willen besteht eine ausgeprägte Hilflosigkeit den Kindern zu einem Schulerfolg zu verhelfen, was z. T. angesichts der problematischen elterlichen „Schul- und Ausbildungskarrieren" kaum überraschen kann. Folglich braucht es eine präventiv und sozialräumlich orientierte Kooperation zwischen sozialpädagogischen, sozialpsychologischen, aber auch familienbezogenen gesundheitlichen und hauswirtschaftlichen Diensten, um Kinder und ihre Eltern so früh wie möglich zu erreichen und beim Aufwachsen zu begleiten.

Es geht darum, die Kompetenzentwicklung von Kindern aus benachteiligten Herkunftsmilieus durch präventive Settings in und um Kindertagesstätten zu stärken und damit die Bildungschancen von Kindern zu verbessern. Dieser Herausforderung wollen wir uns in Salzgitter stellen. Kein Kind soll verloren gehen! Derzeit haben wir in Salzgitter 44 Kindertagesstätten mit insgesamt 133 Gruppen. Für die drei- bis sechsjährigen stehen 3.009 Plätze zur Verfügung. Nach Auswertung der Schuleingangsstatistik 2006 besuchten 87 % der Kinder mit Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz diese Einrichtung mindestens ein Jahr vor Schuleintritt.

Diese Zahl wird sich nach Einführung des beitragsfreien letzten Kindergartenjahres sicherlich zukünftig deutlich erhöhen - d.h. der entstehende Bedarf muss gemeinsam mit der Entwicklung der Geburtenzahlen planerisch sozialräumlich genau beobachtet und ggf. mit dem Neubau weiterer Einrichtungen begegnet werden, denn bildungspolitisch (Bilden und Fördern) ist eine 100%-Nutzung über drei Jahre wünschenswert.

Gegenwärtig hätten stadtweit ca. 3.175 Kinder statistisch einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, hierbei wurden die Geburtenjahrgänge 2001(halb) bis 2004 berücksichtigt, da das Kita-Jahr jeweils mit Schulanfang beginnt und der Rechtsanspruch mit der Einschulung endet. Auf Initiative des Oberbürgermeisters bereitet mein Fachdienst  eine familienfreundliche Absenkung der Kita-Beiträge vor!

Bildungspolitisch soll damit ein Kita-Besuch für jedes Kind in Salzgitter ab drei Jahren erreicht werden. Durch diese  frühe Förderung wird der Grundstein für einen besseren Start in der Schule und die Möglichkeit höherer Schulabschlüsse gelegt, denn hier hat Salzgitter im landesweiten Vergleich noch Nachholbedarf, den wir jetzt abbauen wollen. Eine Bevölkerung mit hohen Bildungsabschlüssen wirkt sich positiv auf den Wirtschaftsstandort Salzgitter aus. Ebenfalls muss auf den prognostizierten Mehrbedarf für die Betreuung der unter Dreijährigen reagiert werden.

Dieser Altersgruppe stehen in Salzgitter 65 Krippenplätze zur Verfügung. In Regelgruppen können bis zu drei Kinder unter drei Jahren aufgenommen werden. Stadtweit werden 133 Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten betreut. 44 Kinder dieser Altersgruppe werden in Tagespflege betreut. Bis 2013 soll eine Bedarfsdeckung von 35 % erzielt werden. Da seit 2003 die Geburtenzahl in Salzgitter nahezu unverändert bzw. leicht steigend ist und nach Einführung des Elterngeldes mit einem Bedarf nach dem vollendeten ersten Lebensjahr zu rechnen ist, entsteht planerisch ein Bedarf von 597 Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren.

In vielen Kindertagestätten wird dem wachsenden Bedarf durch Umwandlung von Regelkindergartengruppen in altersgemischte Familiengruppen entsprochen werden können. Ein weiteres Standbein der flexiblen Bedarfsabdeckung ist in Salzgitter der Ausbau der Kindertagespflege. Hier ist insbesondere das am 1. August 2007 neu eröffnete Familienservicebüro für Kindertagesbetreuung herauszuheben.Die Schaffung flexibler Betreuungszeiten und neuer Angebote, die sich stringent am Bedarf der Eltern im jeweiligen Stadtgebiet orientieren, haben die oberste Priorität. Hier sind wir auf enge Zusammenarbeit und gute Kooperation mit den Trägern der Kindertagesstätten, welche sich in Salzgitter zu 100 % in freier Trägerschaft befinden,  angewiesen.

Den Eltern steht zur Auswahl ihrer Kindertagesbetreuung in Salzgitter eine wahre Trägervielfalt zur Verfügung. Neben der evangelischen und katholischen Kirche führen die AWO, das DRK, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das SOS-Mütterzentrum und vier Elterninitiativen als Trägervereine die Kindertagesstätten. Seit Einrichtung des städtischen Familienservicebüros für Kindertagespflege im Fachdienst Kinder, Jugend und Familie per 1.8.2007 bemühen sich insgesamt 6 Mitarbeiterinnen um die bedarfsgerechte Vermittlung von Kindern in Kindertages-betreuung. Der Bürokomplex wurde um einen Spielbereich im Fachdienst angesiedelt und ist behindertengerecht erreichbar.

Die Konzeption für dieses Projekt wurde innerhalb des Landesprogramms „Familien mit Zukunft - Kinder bilden und betreuen" eingereicht. Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Salzgitter werden deutlich flexibler und bedarfsgerechter entwickelt werden können. Schwerpunkte bilden die

→ Kindertagespflegekoordination mit Vermittlung, Begleitung und Beratung von Tagespflegeverhältnisse, (seit 1.8.07 wurden 20 Anfragen auf Vermittlung einer Tagespflegeperson für Kinder angenommen, 16 Vermittlungen wurden durchgeführt. Gleichzeitig konnten 18 neue interessierte Personen für die Tagespflegeausbildung gefunden werden).

→ Vernetzung und Qualitätsentwicklung verlässlicher Tagespflege, Weiterentwicklung des Fortbildungsangebotes und Konzeptentwicklung für Vertretungsnetzwerke

→ Unterstützung von Kindertagespflegepersonen und Eltern im Bereich der kindlichen Sprachförderung und bildungsfördernder Spielkistenverleih

→ Fachberatung mit dem Schwerpunkt Gesundheitserziehung.

Das Familienservicebüro wird begleitet von Modellprojekten verschiedener Kooperationspartner. Die Evangelische Familienbildungsstätte bietet die Förderprogramme „Opstapje" und „Wellcome für Familien" an. Zudem stellte die EFB in Zusammenarbeit mit der Katholischen Familienbildungsstätte ein interessantes Fortbildungsangebot für Tagespflegepersonen auf der Basis des 160-Stunden- Curriculums des Deutschen Jugendinstituts zusammen.

Der AWO-Kreisverband organisiert im Verbund mit anderen Trägern die Qualifikation und fördert mit dem Projekt „Rucksack" die sprachorientierte Anleitung sozial benachteiligter Familien. Das Deutsche Rote Kreuz bietet ein präventives Kindertraining an. Betreuungsangebote für Kinder in den Ferien organisieren sowohl die EFB als auch das SOS-Mütterzentrum. Dort entsteht zudem eine Modell-Großtagespflege. In Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten im Stadtgebiet sollen zudem dezentrale Familienservicestellen in verschiedenen Stadtteilen entwickelt werden.

Es tut sich aber schon viel! Darauf wollen wir aufbauen! Es gilt die Vielfalt so zu strukturieren, dass die Hilfsmöglichkeiten noch transparenter werden. Die gesamten Vorhaben des Familienservice werden mit 466.000 Euro gefördert, davon 50 % durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit. Die mit den übrigen 233.000 Euro sichert die Stadt Salzgitter die jährliche Arbeit ab. Das Projekt läuft vorerst über vier Jahre.  

Salzgitter ist drittgrößter Wirtschaftsstandort in Niedersachsen. Unternehmen mit Wachstumszielen sehen sich heute immer mehr gezwungen, ihre Arbeitskräfte möglichst optimiert einzusetzen, herkömmliche Arbeitszeitregelungen werden häufig aufgehoben. Von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird höchste Flexibilität erwartet. Unter dem Stichwort „Balance Familie / Beruf" muss auch hier eine Antwort gefunden werden. Es muss die Möglichkeit geschaffen werden Kindertagesbetreuung noch flexibler auf den individuellen, auch außergewöhnlichen Bedarf zuzuschneiden.

In der Realität kann diese Flexibilität nicht immer durch Tagespflege erzielt werden, da die Tagespflegepersonen in der Regel auch familiär gebunden sind. Die Einrichtung einer Betriebskindertagesstätte in Kooperation mit großen Betrieben bzw. Kammervertretern kann hier eine zeitgemäße Antwort sein. Betriebe könnten Stammplätze für ihre Mitarbeiter/innen einbuchen. Mit anteilig frei gehaltenen Plätzen, welche durch ein internetgestütztes Buchungssystem eine flexible Belegung ermöglichen, wird ein dem individuellen Sonderbedarf entsprechendes Angebot geschaffen.

Dies beinhaltet ebenfalls Notfallbetreuung, auch in den Abendstunden, außerhalb regelmäßiger Betreuungszeiten. Da Salzgitter bezüglich der großen Betriebe einen deutlichen Einpendlerüberschuss hat, ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Plätze von Kindern mit externem Wohnort belegt werden. Deshalb kann diese Angebotsform nur in Kooperation mit Betrieben realisiert werden, d. h. interessierte Träger müssen hier in Verhandlungen treten. Das beste Angebot wird den Zuschlag erhalten.  

In Salzgitter haben inzwischen 47 % der Kinder im Kindergartenalter einen Migrationshintergrund - das heißt mindestens ein Elternteil ist nicht im Gebiet der Bundesrepublik geboren. Dieser Tatbestand fordert fachlich zu großen Integrationsbemühungen heraus. Sprachlichem Ausdruckvermögen kommt hier eine Schlüsselstellung zu, welche Integration überhaupt erst ermöglicht. Aber auch Sie, meine Damen und Herren, sind in Ihren Institutionen und Vereinen aufgerufen, diese Kinder offen aufzunehmen und Ihnen in Ihrer Institution durch bewusste sprachliche Begleitung die Möglichkeit des vielfältigen Sprachtrainings in deutscher Sprache zu geben und Ihren Beitrag zur Integration zu leisten.

Im Rahmen der Landesrichtlinien zur Sprachförderung im Primarbereich ist im Kindergartenjahr 2007/2008 der Landeszuschuss in Höhe von 206.000 Euro um 300.000 Euro städtisch aufgestockt worden. Hiermit können in den 30 Kindertagestätten, die Sprachförderbedarf meldeten, insgesamt 867 Kinder in Kleingruppen differenziert gefördert werden. Ca. 440 Wochenstunden werden mit der Gesamtfördersumme von 506.000 Euro finanziert - addiert ergibt sich eine Förderung von 11,3 zusätzlichen Planstellen.

In der praktischen Arbeit wurden in den 30 Kindertagesstätten die Wochenstunden jeweils einer erfahrenen Erzieherin mit Zusatzqualifikation in Sprachförderung angehoben bzw. eine Fachkraft zusätzlich eingestellt. Hierdurch entfallen jetzt aufwändige Wegezeiten, die Förderung kommt direkt beim Kind an. Weiterhin wird Multiplikatorenschulung in Kooperation mit der Volkshochschule für alle Erzieherinnen in Sprachförderung angeboten, damit Sprachförderung in den Alltag der Kindertagesstättenarbeit für alle Kinder einfließt.   

Auch die immense Leistung aller Vereine, Organisationen und Verbände im Kinder- und Jugendbereich ist hier nicht zu vergessen. Denn eins ist klar - wer sich verständigen will, spricht die gleiche Sprache wie sein Nebenmann!  Ein weiteres Ziel ist die Weiterentwicklung der Kitas zu Zentren für Familien. Die Anpassung der Öffnungszeiten der Kindertagesstätten an den Bedarf der Eltern, flexible Betreuungszeiten, die Ausweitung der Altersgruppen auf Kinder unter drei und über sechs Jahren und die Möglichkeit, das Kind im Notfall auch außerhalb der Öffnungszeiten des Kindergartens unterbringen zu können, soll zukünftig Familien in Salzgitter in hohem Maße unterstützen.

Kindertagesstätten sollen sich zu „Zentren für Familien" weiterentwickeln. Die Stadt will den freien Trägern auf diesem Weg Hilfestellung bieten. Was im Einzelnen angeboten wird, soll sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Familien und dem Kita-Profil vor Ort orientieren. Dies können sein:

- zusätzliche flexible Sonderbetreuungsangebote, auch haushaltsentlastende Dienste;
- Hilfsdienste, wenn Mutter krank ist; Beratungs- und Bildungsangebote in den Kindertagesstätten;
- Treffpunkte und allgemeine Freizeitangebote rund um die Familie;
- aber auch arbeitsmarktrelevante Angebote.

Beispielhafte Entwicklungen auf diesem Weg an den einzelnen Kindertagesstätten sollen besonders dokumentiert und als „Best Practice" prämiert gleichsam Lernfeld und Anregung für die städtische Kita-Landschaft sein.

Ich komme nun zu einem weiteren sehr wichtigen Thema: Kooperation Kingergarten - Schule:
In der Praxis kommt es darauf an, dass Einrichtungen der Kinderbetreuung sehr frühzeitig mit Grundschulen kooperieren und umgekehrt. Darin liegt die Chance, dass beispielsweise in Kindergärten vorschulische Bildungsaktivitäten verstärkt angeboten und somit Kinder besser auf den Schulalltag vorbereitet werden - andererseits in der Grundschule aber auch individuelles Lernen und Fördern an den Fähigkeiten und der Entwicklung des einzelnen Kindes entlang möglich wird - Schlagwort differenzierter Unterricht.

Ziel muss es sein die Kinder optimal auf die Schulzeit vorzubereiten! Im Landesprogramm „Brückenjahr" des Kultusministeriums im Rahmen des 100-Millionen-Förderprogramms „Familien mit Zukunft", an welchem sich die Stadt Salzgitter aktiv beteiligt, geht es um die Weiterentwicklung der Kooperationen von Kindertagestätten und Schulen. Die Stadt Salzgitter kann dabei zweimal jeweils für einen Zeitraum von zwei Jahren 20 Wochenstunden mit einer jährlichen Fördersumme von 21.360,- € an Kindertagesstätten vergeben. Damit wird die Zusammenarbeit der Erzieherinnen mit den Grundschullehrkräften der beteiligten Institutionen unterstützt und die Fördermaßnahmen für die Kita-Kinder im Jahr vor der Schule werden intensiviert.

Dabei haben einige Kindertagesstätten und Schulen mit der Entwicklung verschiedener Konzepte einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung geleistet. Sie werden vom Fachdienst in der weiteren Projektentwicklung und der Evaluation begleitet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden allen Kindertagesstätten zur Verfügung stehen, so dass die nächsten Antragsteller im Jahr 2009 auf diesen Erfahrungen aufbauen können. Auch die übrigen Kindertagestätten werden von meinem Fachdienst in enger Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Bildung in ihren Kooperationsbemühungen unterstützt.

Zukunftsvision ist die Situation von Kindern und ihren Familien in Salzgitter durch eine regelmäßige Berichterstattung zu verdeutlichen. Hier zählen z. B. quantitative Informationen über die Anzahl der Schulabbrecher oder die Betreuungsquote für die unter Dreijährigen genauso dazu wie die Zufriedenheit der Eltern mit der Betreuung an Grundschulen. Das Land Niedersachsen hat als Nachfolgeprojekt zu dem Präventionsprojekt PRINT das Projekt NIKO mit Richtlinien zur Förderung von Projekten zur Stärkung von Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitskompetenzen in Kooperation zwischen Jugendhilfe, Schule und Familie ausgeschrieben.

Es gibt viele Kinder mit Übergewicht in der Stadt Salzgitter. Während in 2000 nur 10 % der Kinder übergewichtig waren in 2005 zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchungen 35 %, 2006 sogar 43,8 % der Kinder übergewichtig, der Wert liegt also teilweise über 50 %! Das kann nicht sein! Unser Ziel muss daher liegen die Quote auf unter 10 % zurückzufahren! Dies bedeutet für alle, die mit Kindern zu tun haben - dringender Handlungsbedarf! Besonders auffällig sind die Werte im Gebiet der Sozialen Stadt Fredenberg. Hier setzt das Projekt NIKO an, welches das Diakonische Werk Salzgitter mit städtischer Förderung von 12.286 € und gleich hoher Landesförderung im Sanierungsgebiet Fredenberg beispielhaft umsetzt. Projektziel ist die Förderung von Kindern im Grundschulalter mit Migrationshintergrund zum Thema gesunde Ernährung und Bewegung sowie die Unterstützung und Schulung der Eltern zu Entwicklungsfragen und gesunder Ernährung.

Die Eltern erhalten Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder im Bereich gesundheitliche, schulische und soziale Entwicklung. Über die Kooperation mit mehreren Einrichtungen (Schule, Kinderschutzbund, Sportverein, Fachdienst Kinder, Jugend und Familie) sollen die Kinder und Eltern erreicht und unterstützt werden über direkte Ansprache oder Vermittlung zu den Einrichtungen. Das Projekt startet von dem gut integrierten Stadtteiltreff „Diakonietreff" mit den Kooperationsschulen Grundschule Dürerring und Grundschule Fredenberg. Ziel ist es, aus Gründen der Nachhaltigkeit das Projekt nach der ersten Projektphase bis 31.12.07 auch in den Folgejahren mit einer Fördersumme von jeweils 50.000 Euro, jeweils 50% Land und 50% Stadt Salzgitter, fortzuführen, damit die Zahl der normalgewichtigen Kinder und jener, die motorisch fit sind, deutlich zunimmt.

Alle reden vom demographischen Wandel. In Salzgitter gibt es Institutionen, die seit Jahren bundesweit Aufsehen für ihr gelingendes Miteinander der Generationen erregen. Spätestens seit der Expo 2000 weltweit bekannt ist hier das SOS-Mütterzentrum in Salzgitter-Bad zu nennen. Dieses Haus wird unter dem Motto „Alles unter einem Dach" betrieben. Es beherbergt eine Kindertagesstätte mit 72 Plätzen (Krippe, Kindergarten und Hort) in vier altersgemischten Gruppen für Kinder mit und ohne Handicaps und aller Nationalitäten; daneben offene flexible Kinder- und Schüler/innenbetreuung täglich von 7 - 18 Uhr mit Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeit, während Mütter, Väter, Großeltern im Haus sind.

Im Haus gibt es ein gemeinsames Alltagsleben für vier Generationen. Sie arbeiten und leben miteinander. Eine Jugendwerkstatt unterstützt zudem beim Start in das Berufsleben. Kinder leben im Mehrgenerationenhaus wie in einer Großfamilie. Gelegenheitsstrukturen schaffen die alltägliche Begegnung zwischen Jung und Alt. Die alten Menschen sind in einer familienähnlichen Atmosphäre in der integrierten Altentagesstätte gut untergebracht. Für Jung und Alt gibt es gemeinsame Angebote wie Kasperletheater und Musik und Tanz. Bedarfsgerecht und innovativ wird dieses Mehrgenerationen-haus Jahr für Jahr in enger Kooperation mit den städtischen Fachdiensten Bildung, Soziales und Kinder, Jugend und Familie weiterentwickelt und um Angebote ergänzt. 

Meine Damen und Herren,

wie Sie sehen, ist die Thematik sehr umfassend und die einzelnen Handlungsfelder sind zu groß und vielfältig, um sie hier umfassend darzustellen. Dennoch hoffe ich, dass ich Ihnen in den Bereichen Kindertagestätte, Betriebs-Kita, Sprachförderung, Zentren für Familie, Kooperation Kindergarten - Schulen, Gesundheit und Mehrgenerationenkonflikte einen kurzen Überblick geben konnte. Nach der gemeinsamen Bestandserhebung können Sie in gedruckter Form die einzelnen Handlungsfelder konkret nachvollziehen. Unser Ziel kann es nur sein in allen Bereichen, in denen wir Defizite feststellen, effektiv eine Verbesserung hervorzurufen. Ich meine, wir sind auf einem guten Weg! Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und übergebe das Wort zurück an unseren Oberbürgermeister, Herrn Klingebiel.

Meine Damen und Herren,

Bildung ist ein zentraler Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft. Schulen sind in der Regel die zentralen Instanzen, die diese Bildung vermitteln. Schulen schaffen und verteilen Lebenschancen. Sie sind Orte der Schicksalsbildung und der Schicksalskorrektur geworden. Wir wollen in Salzgitter Schulen, in denen unsere Kinder optimal gefördert und gefordert werden, alle sind wichtig, keiner / keine wird zurückgelassen! Dazu bedarf es der gemeinsamen Anstrengung aller! In Salzgitter soll ein Gesamtsystem von Bildung, Erziehung und Betreuung Realität werden! Wir bilden eine Verantwortungsgemeinschaft aller, die an diesem Ziel arbeiten!

Die wichtigste Aufgabe von Schulen ist das Lernen: Wir brauchen eine neue Lernkultur, die lebenslanges, selbstständiges Lernen ermöglicht, neue Medien systematisch einsetzt und lebensnah und praxisorientiert ist. Ziel ist es die räumlichen Bedingungen für eine gute Lernatmosphäre zu verbessern. Denn in einem guten Arbeitsumfeld lernt man besser! Die Stadt Salzgitter hat daher zur Sanierung der Schulen ein 50-Millionen-Programm aufgelegt, das in spätestens 10 Jahren abgearbeitet ist. Den Schulen wird mehr Geld in die Hand gegeben, um ihre Eigenständigkeit zu unterstützen und um damit eine qualitative Entwicklung zu fördern - eine qualitative Entwicklung, die zu einer besseren Schulbildung führen wird. Das heißt durch die Verbesserung der Bildungschancen eine Verbesserung der Lebenschancen unserer Kinder und Jugendlichen zu ereichen.

Zur kinder- und familienfreundlichen Stadt gehört auch die Ganztagsschule, von denen wir bereits jetzt 10 aufweisen. Ich verhehle nicht, dass die ein oder andere durchaus noch entwicklungsfähig ist. Desweiteren stellen wir als freiwillige Leistung Haushaltsmittel für die Nachmittagsbetreuung zur Verfügung. Nicht alles, was pädagogisch sinnvoll wäre, kann von der Kommune beeinflusst werden, hier ist ein Dialog mit dem Land notwendig, ich denke da speziell an die Lehrerversorgung und die Klassengrößen. Ich habe selbst 2 schulpflichtige Kinder und weiß auch aus Elternsicht, was läuft. So sind mir z.B. 29 Kinder in einer Klasse definitiv zu viel! Eine derart große Zahl an Kindern ist von Lehrern kaum beherrschbar. Frust bei Lehrern, Schülern und Eltern ist vorprogrammiert! Im Ergebnis bleiben zu viele Kinder auf der Strecke!

Wir wollen in Salzgitter eine vielfältige Schullandschaft mit mannigfaltigen Angeboten und Profilen, nur so werden wir den unterschiedlichsten Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gerecht. Deshalb heben wir bestehende Schulgrenzen auf um Eltern und Kindern Wahlmöglichkeiten zu geben. Dies wird zu mehr Wettbewerb und Profilbildung unter den Schulen führen.

Meine Damen und Herren,

Schule ist mehr als eine Anstalt, in der vordefinierte Ziele in vorgegebenen Formen und mit vorgegebenen Mitteln erreicht werden sollen. In Schulen lernen Menschen miteinander und voneinander, Schule ist ein wichtiges Stück Lebens. Dafür braucht Schule Freiraum, Freiraum für die Gestaltung, für das Eingehen auf Situationen und Menschen, auf aktuelle Bedürfnisse und das Ausschöpfen der vor Ort gegebenen Möglichkeiten für Lernen und Weiterentwicklung. Schulen dürfen deshalb nicht statisch verwaltet werden, sie müssen sich selbst entwickeln können, daher unterstützen wir den Weg zur eigenständigen Schule.

Lassen Sie mich zum Schluss die zentrale Schulaussage der Hauptschule Fredenberg zitieren:

"Jeder kann etwas. Keiner kann alles. Alle werden gebraucht. Niemand wird sich selbst überlassen." Das, meine Damen und Herren, ist eine Leitidee, die für alle Schulen passt, und auch für die kinder- und familienfreundliche Stadt Salzgitter.

Meine Damen und Herren,

nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung Aktion 2050 „Wegweiser Demographischer Wandel 2020" aus dem Jahr 2006 -ist Salzgitter unter Typ Cluster 2 „Schrumpfende Großstädte im postindustriellen Strukturwandel" eingestuft. Hier bestimmen Familien kaum mehr das städtisch-urbane Klima. Prof. Strohmeier spricht von einer Welt der zwei Kindheiten: Die einen wachsen wohlbehütet und gut gefördert auf, die anderen haben sehr schlechte Ausgangsbedingungen für das ganze Leben, Bildungsangebote kommen an sie nicht heran.

Um auf kommunaler Ebene positive Veränderungen zu erreichen, sind alle Akteure vor Ort gefragt - gerade im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf können hier wichtige Akzente gesetzt werden. Als Handlungsempfehlung gibt uns die Studie mit auf den Weg:

1.         sozialer Segregation entgegenwirken und aktive Integrationspolitik betreiben
2.         bürgerschaftliche Verantwortung stärken.
3.         Kinder- und Familienfreundlichkeit leben, d. h.: Ansiedlung junger Eltern, Erleichterung der Verwirklichung des Kinderwunsches, kinder- und familienfreundliche Qualitäten sichern, ausbauen, vermarkten und kinderfreundliches Image aufbauen.

Diesen Weg habe ich eingeschlagen. Ziel ist, in einer der zukünftigen Studien den Cluster 5, „Stabile Großstädte mit hohem Familienanteil", zu erreichen. Hier würde es dann „nur" noch darum gehen, Kinder- und Familienfreundlichkeit zu leben und Wohnstadtteile Generationen verbindend weiterzuentwickeln sowie die Handelszentralität zu sichern und das Stadtimage zu schärfen.

Meine Damen und Herren,

kommunale Familienpolitik ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern insbesondere der emotionalen Zuwendung, die neue Lösungswege für die Probleme von Familien eröffnet. Ich wünsche mir eine zielgerichtete, konsequente und vor allem gemeinsame Herangehensweise an unser gemeinsames Ziel. Gefragt sind alle Felder des Lebens - das Netzwerk der Familie, der Arbeitswelt, der Politik, der Freizeit usw. Nur wenn alle Zahnräder ineinander greifen, läuft das Uhrwerk perfekt und reibungslos.

Salzgitter ist auf europäischer Ebene Mitglied im Netzwerk „Cities for children", auf regionaler Ebene bei „United Kids Foundation" engagiert und im städtischen Bereich im „Bündnis für ein Leben mit Kindern" - auf das wir aufbauen werden. Genau das ist mein Ziel und ich hoffe auch unser gemeinsames Ziel für Salzgitter. Ich möchte mit Engagement, Ideenreichtum und vor allem viel Freude mich mit Ihnen zusammen dafür einsetzen, dass sich Familien in unserem Salzgitter wohl fühlen.

Ich wünsche mir, dass sich wieder mehr Menschen in Salzgitter dazu entscheiden Ihren Kinderwunsch zu realisieren. Ich will eine Umgebung für die Kinder unserer Stadt schaffen, in der sie unbeschwert aufwachsen können und ihnen die bestmöglichen Startvoraussetzungen für Ihren weiteren Lebensweg geben. Bis dahin ist es sicherlich noch ein langer, nicht immer einfacher Weg, doch die ersten Schritte sind mit dem heutigen Tag getan - Salzgitter hat sich auf den Weg gemacht zur kinder- und familienfreundlichen Stadt!

Ich möchte mich bei Frau Wenzl und bei Frau Dr. Krum ganz herzlich für Ihre Unterstützung bedanken. (Übergabe eines Blumenstraußes) Im Anschluss bitte ich Sie im Atrium bei Getränken und einem kleinen Imbiss noch zu einem gemeinsamen Gespräch zusammenzukommen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ich freue mich auf die weitere gemeinsame Zusammenarbeit für Salzgitter - Die kinder- und familienfreundliche Stadt.



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