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Haushaltsrede 2008
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Einbringung des Haushalts 2008

Rede von Oberbürgermeister Frank Klingebiel in der Ratssitzung am Mittwoch, 26. September 2007, zur Einbringung des Haushalts 2008.

Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Grabb, meine sehr verehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Ich bin nun seit fast einem Jahr im Amt als Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter. Ich stehe zwar zum zweiten Mal vor Ihnen und lege Ihnen meinen Entwurf der Haushaltssatzung und damit auch des Haushaltsplans vor - dennoch ist es eine Premiere! Zum ersten Mal werden innerhalb eines Jahres zwei Haushalte eingebracht - das ist eine riesige Leistung der Verwaltung! Damit nicht genug - der vor Ihnen liegende Entwurf für das Haushaltsjahr 2008 ist ein „reinrassiger" Doppik-Haushalt, aufgestellt nach den Regeln der neuen Gemeindehaushalts- und kassenverordnung. Die Kameralistik ist passee!

Für diesen Kraftakt möchte ich mich beim Stadtkämmerer, bei meinen Führungskräften und vor allem bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich bedanken. Ich weiß, was ich Ihnen in den letzten Monaten abverlangt habe! Gegenüber dem Jahrzehntelang gewohnten Erscheinungsbild wird der Haushalt im neuen Gewand sicherlich eine andere Beratungsqualität und -intensität erfordern.

Der Beschluss über die Haushaltssatzung 2008 soll in der in Aussicht genommenen Sondersitzung am 09. Januar 2008 gefasst werden. Bis dahin liegen noch unzählige Stunden intensiver Haushaltsberatungen vor Ihnen. Auch hier bin ich zuversichtlich, dass wir diese Premiere gemeinsam schaffen werden! Dies hat den unschätzbaren Vorteil, dass mit der Ausführung des Haushalts nach Genehmigung im zeitigen Frühjahr nächsten Jahres auch begonnen werden kann. Das erhöht unsere Handlungsfähigkeit, freut die Vereine, Verbände und Einrichtungen, die städtische Zuschüsse erhalten, und löst die leidige Geschichte mit den enorm hohen Haushaltsresten allmählich auf.

Meine Damen und Herren! Unmittelbar nach meinem Amtsantritt habe ich die Schwerpunkte meiner Politik ganz klar benannt und deutlich gemacht, dass ich eine Verteilung der kommunalen Mittel mit der Gießkanne ablehne. Neben der Haushaltssanierung - an der kein Weg vorbeiführt - werde ich mich auch in den nächsten Jahren meiner Amtszeit mit voller Hingabe den für Salzgitter zentralen Zukunftsthema „Kinder- und Familienförderung" und der Schulpolitik widmen.

Salzgitter - Die kinder- und familienfreundliche Stadt und Salzgitter - Die Lernstadt. Das sind die Prädikate, die es mit Leben zu erfüllen gilt und die Salzgitter auch überregional bekannt machen sollen. In diesen Bereichen hat sich seit der Verabschiedung des Haushalts am 23.Mai 2007 - wie sie wissen - schon einiges bewegt. Beispielhaft zu nennen sind:

  • Die Eröffnung des Familienservice Büros

  • Eine Verstärkung der Schulsanierung und der weitere Ausbau von Ganztagsschulen

  • Einleitende Maßnahmen zur Erhöhung der Bildungsqualität schon in den Kitas

  • Einrichtung des Referats für Kinder- und Familienförderung

  • Erhöhung der städtischen Ausbildungsquote

Und als Höhepunkt die Auftaktveranstaltung zum kinder- und familienfreundlichen Salzgitter am letzten Mittwoch. Gut 300 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kirche, Kindergärten, Schulen und Vereinen sind meiner Einladung gefolgt und haben an dieser besonderen und für Salzgitter zukunftsweisenden Auftaktveranstaltung teilgenommen. Dieses große Interesse durch alle Gesellschaftsschichten unterstreicht die zentrale Bedeutung, die dieses Thema bei allen Bürgerinnen und Bürgern - ob jung oder alt - hindurch besitzt.  

Ich spüre eine große Bereitschaft - ja Aufbruchstimmung - in der Bevölkerung, meinen Weg, Salzgitter bis 2015 zu einer der kinder- und familienfreundlichsten Städte Deutschlands zu machen, mitzugehen. Und ich weiß genau: Dies kann nur mit Ihnen zusammen erfolgreich sein! Folgerichtig und konsequent habe ich auch im Haushaltsentwurf 2008 die Prioritäten in diesem zentralen Zukunftsthemen gesetzt.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst jedoch einige grundsätzliche Anmerkungen zur finanziellen Ausgangssituation machen. Nach einer langen „Durststrecke" - genauer gesagt - seit 1993 ist es nunmehr zum zweiten Mal in Folge gelungen, einen Haushaltsplanentwurf aufzustellen, der mit einem jahresbezogenen Überschuss im Ergebnishaushalt von rund 18,4 Mio. € abschließt.

Betrachtet man weiter die Finanzplanung, so werden wir, wenn alles gut geht, bis zum Ende des Planungszeitraumes weiterhin im erheblichen Umfang entschulden können. Diese Feststellung bestätigt meine Aussage zum Haushalt 2007, dass der berühmte Silberstreifen am Horizont schon zu erkennen ist. Dafür sprechen die aktuellen Finanzdaten zur Verbesserung der städtischen Einnahmesituation, insbesondere bei den Gewerbesteuereinnahmen.

Und ich behaupte nicht, dass ich oder mein Amtsvorgänger für das erfreuliche Sprudeln der Gewerbesteuer verantwortlich sind. Andererseits ist es aber auch vermessen bei Zinsausgaben von 190 Mio. €, die die Stadt seit 1993 zu zahlen hatte, von einem „gemachten Nest" zu sprechen, in das ich mich gesetzt hätte. Die Hoffnung auf bessere Zeiten wird durch die konjunkturelle Belebung deutlich gestärkt. Dennoch ist kein Raum für übermütiges Haushaltsgebaren vorhanden. Finanzwirtschaftliche Disziplin ist nach wie vor dringend geboten!

Meine Damen und Herren! Daher habe ich für das Haushaltsplanaufstellungsverfahren 2008 hinsichtlich des Finanzrahmens die Direktive eines „Wiederholungshaushaltes" den Fachdiensten vorgegeben. Nicht um der Verwaltung die Arbeit zu erleichtern, sondern um Begehrlichkeiten angesichts der verbesserten Einnahmesituation von vornherein abzuwehren. Dies ist im Großen und Ganzen auch gut gelungen. Daneben waren die im Vorjahr eingeplanten einmaligen Sondereffekte wie z.B.

  • Verkauf von Anteilen an die Wohnbau (rd. 2,9 Mio. €) oder

  • erhöhte Gewinnabführung des EB Grundstücksentwicklung (rd. 2,4 Mio. €) zu kompensieren.

Nach alledem ergibt sich ein Überschuss von rd. 18,4 Mio. €, der zum größten Teil für die im Finanzhaushalt ausgewiesenen Investitionen verwendet wird. Die Aufnahme von Investitionskrediten ist hierfür nicht vorgesehen. Wie bekannt werden die Investitionen für den Hochbau  und hier im Besonderen für die Schulsanierungsmaßnahmen im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebes Gebäudemanagement, Einkauf und Logistik abgebildet. Die Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe werden Ihnen noch gesondert zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden. Zu den weiteren wichtigen Strukturdaten des Haushalts wird sich Herr Stadtkämmerer Grunwald noch äußern.

Meine Damen und Herren! Ich komme nun zurück zu dem bereits angerissenen zentralen Thema „Salzgitter - Die kinder- und familienfreundliche Stadt": In Salzgitter soll Kinder- und Familienfreundlichkeit keinesfalls nur eine Worthülse sein. Es ist mein fester, also unabrückbarer politischer Wille, auf diesem Gebiet gemeinsam mit Ihnen einen großen Schritt nach vorne zu tun. Nicht nur reden, sondern auch Handeln! Das ist meine Maxime! Das Ziel und den Weg dorthin haben meine Fachdienstleiterin Frau Dr. Krum und ich am vergangenen Mittwoch umfassend dargestellt. Ich verzichte daher darauf, hier und heute noch mal auszuführen, was mich bewegt.

Die Handlungen finden Sie im Haushaltsentwurf 2008, der in diesem Bereich ganz klar die monetären Prioritäten setzt. Beispielhaft: Die in 2007 von der Stadt zusätzlich bereitgestellten  Sprachförderung in Kitas in Höhe von 300.000 € werden auch in diesem Jahr bereitgestellt. Hiermit können, in den 30 Kindertagestätten, die Sprachförderbedarf meldeten, insgesamt 867 Kinder in Kleingruppen differenziert gefördert werden. In der praktischen Arbeit wurden in den 30 Kindertagesstätten die Wochenstunden jeweils einer erfahrenen Erzieherin mit Zusatzqualifikation in Sprachförderung angehoben oder eine Fachkraft zusätzlich eingestellt. Hierdurch entfallen jetzt aufwendige Wegezeiten, die Förderung kommt direkt beim Kind an.

Die 100.000 €, die in 2007 für das Programm „Kinder- und Jugendförderung" erstmalig in den Haushalt eingestellt wurden, sollen auch in den nächsten Jahren zur Verfügung gestellt werden. Durch das am 1. August 2007 neu eröffnete Familienservicebüro für Kindertagesbetreuung kommt die Stadt dem Ziel der Schaffung flexibler Betreuungszeiten und neuer Angebote, die sich stringent am Bedarf der Eltern im jeweiligen Stadtgebiet orientieren, ein großes Stück näher.
Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Salzgitter werden deutlich flexibler und bedarfsgerechter entwickelt werden können.

Last but not least: Familienfreundliche Absenkung und Staffelung der Kitagebühren, die zu einem Einnahmeausfall i.H.v. 540.000 € führen werden. Bildungspolitisch soll damit ein Kindergartenbesuch für jedes Kind in Salzgitter ab drei Jahren erreicht werden. Die finanzielle Freistellung der Eltern im letzten Kindergartenjahr durch das Land ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Um aber möglichst allen Kinder bereits mit Beginn ihres vierten Lebensjahres einen Kindergartenbesuch zu ermöglichen, muss die finanzielle Entlastung bereits im ersten Kindergartenjahr wirken und darüber hinaus die besondere Situation von Familien berücksichtigen, die mehrere Kinder im Kindergartenalter haben. Dieser Herausforderung wollen wir uns in Salzgitter auf dem Wege zu einer der kinder- und familienfreundlichsten Städte Deutschlands stellen!

Die konsequente Zielverfolgung, die mit dem Haushalt 2007 begonnen wurde, wird sowohl kurzfristig, aber auch langfristig erhebliche Früchte tragen. Mir geht es hier um eine nachhaltige Entwicklung für die Zukunft Salzgitters. Unabhängig hiervon sind die Investitionen in die frühkindliche Bildung auch finanzwirtschaftlich sinnvoll, da sie dazu beitragen, kostspielige Sozialleistungen zu einem späteren Zeitpunkt zu vermeiden.

Meine Damen und Herren! Ich komme nun zum zweiten zentralen Thema: Salzgitter - Die Lernstadt. Lassen sie mich mit einem Zitat des Humanisten Erasmus von Rotterdam (1465-1536) beginnen. "Viele Male schaut der Wille durchs Fenster, ehe die Tat durch die Tür schreitet."Ich werde der Bildung die Tür öffnen! Bildung ist der Schlüssel zu Wohlstand im 21. Jahrhundert; so heißt es in seltener Einigkeit in politischen Sonntagsreden. Doch manchmal habe ich den Eindruck, dass dieser „Schlüssel" verloren, vergessen oder verschusselt wurde. Deshalb wollen wir in Salzgitter etwas tun! Wir wollen es anpacken!

Wir brauchen die Bildung für unsere Gesellschaft, für unsere Demokratie. Schulen schaffen und verteilen Lebenschancen. Sie sind Orte der Schicksalsbildung und der Schicksalskorrektur geworden. Ich will in Salzgitter Schulen, in denen unsere Kinder optimal gefördert und gefordert werden; alle sind wichtig, keiner/keine wird zurückgelassen! Bildung ist auch ein Standortfaktor. Nur wer qualifiziert ist, kann Impulse für Innovation, Fortschritt und Wirtschaftswachstum setzen, kann Ideen haben und den Fortschritt mit voranbringen. Salzgitter ist - und so soll es bleiben - der 3. größte Wirtschafts­standort in Niedersachsen; deshalb ist qualifizierte berufliche Aus- und Weiterbildung eine lebensnotwendige Investition für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt.

Meine Damen und Herren, Auch in diesem Bereich finden sich im Haushaltsentwurf 2008 deutlich monetäre Prioritätensetzungen wieder. Im Einzelnen:

1. Erhöhung der Schulbudgets

Aufgrund meiner persönlichen Eindrücke vor Ort und vieler Gespräche in Schulen halte ich es für geboten, in 2008 die Haushaltsansätze für die Schulbudgets um rund 100.000 € auf 625.000 € anzuheben. Damit erreichen wir wieder das Niveau vor der Absenkung in 2001.

2. Erhöhung der investiven Lehr- und Einrichtungsmittel für Schulen

Diese Investitionsmittel für Schulen sollen in den nächsten Jahren ebenfalls erhöht werden. Für das Jahr 2008 ist gegenüber 2007 eine Steigerung um 68.000 € auf 360.000 € vorgesehen.

3. Schulmaterialpauschale

Erstmals wurde 2007 ein Schulmaterialfonds gebildet. Die Haushaltsmittel sind zur Unterstützung von finanziell benachteiligten Schülerinnen und Schüler zur Beschaffung von Schulmaterialien vorgesehen. Für diese freiwillige Sozialleistung sind auch 2008 Mittel von 40.000 € eingeplant.

4. Schulsanierung

Das in 2007 erhöhte Ausgabevolumen für Schulsanierungsmaßnahmen von rund 7,5 Mio. € ist auch in 2008 eingeplant und soll auf diesem Niveau fortgeführt werden. Der EB 85 hat hierzu auf meine Initiative hin ein über 10 Jahre laufendes 50 - Millionen - Programm zum Abbau des in erheblichem Umfang aufgelaufenen Sanierungsstaus an den Schulen erarbeitet, das ich Ihnen in Kürze vorlegen werde. Daneben stehen für investive Maßnahmen Mittel in Höhe von 4,5 Mio. € bereit.

5. Schulbezirke

Der Rat der Stadt hat im Frühjahr 2008 endgültig über meinen Vorschlag zu ent­scheiden, ab 01.08.2008 die Schulbezirke für die weiterführenden Schulen aufzuheben. Dazu erbitte ich heute eine entsprechende Absichtserklärung der Politik! Ich verfolge mit der Änderung der Schulbezirke die Unterstützung der Schulen bei ihrer Profilbildung und bei ihrer Entwicklung zur eigenständigen Schule. Die Ände­rung soll den Schulen Raum für einen sinnvollen Wettbewerb geben, um damit eine qualitative Schulentwicklung fördern. Die Wahlmöglichkeit der Eltern für eine bestimmte Schule wird demnach ein entscheidender Beitrag zur Verbesserung der Bildungssituation und somit auch der Standortfaktoren in Salzgitter sein. Durch die geplante Neuregelung werden sich die Schülerbeförderungskosten nicht erhöhen.  Eine Veränderung der Grundschulbezirke ist frühestens mittelfristig angedacht, da hierfür auch die gewonnenen Erkenntnisse aus der angestrebten Aufhebung der Schulbezirke im Sekundarbereich I genutzt werden sollen.

6. Nachmittagsbetreuung

Die Stadt Salzgitter stellt seit 2002 als so genannte freiwillige Leistung Haushalts­mittel für die Nachmittagsbetreuung zur Verfügung. Die Grundschulen können da­durch außerhalb der Unterrichtszeiten für die Schülerinnen und Schüler pädagogisch sinnvolle Aktivitäten anbieten. Dieses Angebot wird von Schulen, Schulkindern und Erziehungsberechtigten begeistert aufgenommen und ist nach wie vor stark nachge­fragt. Das Programm soll auch 2008 mit 100.000 € fortgesetzt werden; Startbeginn, sonst immer erst nach den Osterferien, soll erstmals bereits nach den Halbjahres­ferien im Februar 2008 sein. Das Thema Schule ist und bleibt ein zentraler Aspekt in meiner Zielrichtung, Salzgitter bis 2015 zu einer der kinder- und familienfreundlichsten Städte Deutschlands zu machen.

Meine Damen und Herren! Salzgitter ist eine sportbegeisterte und eine Sport treibende Stadt! Und das schon über viele Jahre. Ich bin davon überzeugt, dass der Sport zur Daseinsvorsorge einer Stadt gehört und gefördert werden muss, denn fast jeder vierte Salzgitteraner ist in einem Verein engagiert. Es kann daher nur in unserem Bestreben liegen die Sportförderung für Salzgitter zu erhalten und möglichst noch zu verbessern. Besser und unmittelbarer können wir die Menschen in unserer Stadt nicht erreichen. Und es lohnt sich allemal, die engagierten Vorstände zu unterstützen und ihre Arbeit damit zu würdigen. Die Sportförderung ist ebenfalls ein wichtiger Baustein auf meinem Weg zur Kinder- und Familienfreundlichkeit Salzgitters.

Für den Haushalt 2008 und die Finanzplanung habe ich deshalb folgende Eckpunkte eingeplant:

  • Vertragliche Absicherung der gesamten Sportförderung bis zum 31.12.2011

  • kinder- und jugendfreundliche Gestaltung der Hallennutzungsentgelte, die bei den Sportvereinen zu einer Entlastung i.H.v. insgesamt 20.000 € führen wird und

  • Erhöhung der Sportfördermittel für die Unterhaltung der Sportanlagen um 20 % - also 45.000 €.

Die Einzelheiten meines Konzeptes werde ich zunächst den Vertretern des Sports am 10.Oktober erörtern. Das Ergebnis dieses „Sportgipfels" werde ich dann mit meinem Entscheidungsvorschlag dem Rat bis Ende des Jahres präsentieren. Haben Sie in diesem Punkte also noch etwas Geduld!

Meine Damen und Herren! Die Effektivität unserer Politik - und daran muss allen gelegen sein - setzt eine besonders leistungsfähige Verwaltung voraus. Ich habe einzelne - wenige - Bereiche angetroffen, die vorsichtig formuliert eine Optimierung durchaus vertragen können. Ein solcher Optimierungsprozess wird leider noch einige Zeit dauern, obwohl ich fast täglich daran arbeite. Auf manches Wünschbare wird man also noch warten müssen. Die Uhren im Öffentlichen Dienst ticken bekanntlich anders als in Wirtschaftsunternehmen.

Ich möchte hier und jetzt nicht ins Detail gehen. Ich bitte Sie aber, mich bei dieser Arbeit zu unterstützen! Ich werde mich daher auch weiterhin nicht scheuen, Stellenausweitungen vorzuschlagen, wenn ich sie für zwingend notwendig erachte. In 2007 hatten wir rund 47,2 Mio. € Personalausgaben eingeplant. Für das kommende Haushaltsjahr steigen die Personalkosten in der Planung um 2,8 Mio. € auf insgesamt 49,9 Mio. € an. Davon basieren rund 1,6 Mio. € auf der Grundlage der Gesetzgebung bzw. tariflicher Verträge und sind für die Stadt Salzgitter nicht beeinflussbar. Weitere ca. 920.000 € sind Ausfluss aus den Stellenplanänderungen des Jahres 2007, die erst in 2008 wirken, da die Stellen erst jetzt besetzt werden. Für 2008 ist eine entsprechende Erhöhung von 300.000 € eingeplant, die zum Großteil auf die Ausweitung der städtischen Ausbildungsquote von 55 Ausbildungsstellen auf 73 Ausbildungsstellen zurückzuführen ist.

Meine Damen und Herren! Haushaltsdebatten sind naturgemäß von der Abwägung geprägt, was wünschenswert, aber auch machbar ist. Beispielhaft wird dieses auch für mich an einem Antrag des Ortsrates der Ortschaft Süd vom Mai des Jahres deutlich, indem angeregt wird, dass der Name des Stadtteiles Salzgitter-Bad in Bad Salzgitter geändert wird. Über diese Anregung werden Sie, meine Damen und Herren, gleich zu Tagesordnungspunkt 2.2. zu entscheiden haben. Wünschenswert wäre auch aus meiner Sicht, die Bädertradition dieses Stadtteile in einem entsprechendem Namenszug noch deutlicher hervorzuheben. Dies würde, und da stimme ich den bürgerschaftlich geprägten Meinungen vieler „Sölterscher" ausdrücklich zu, die mit dem Beschluß zur Bebauung des Karstadt - Arreals oder auch mit der Initiative des Bürgervereins zum Bau eines Gradierwerkes deutlich sichtbare Aufbruchstimmung weiter befördern. Machbar ist dies aus rechtlichen Gründen aber leider heute noch nicht.

Meine Damen und Herren! Wichtig ist aber nicht, was auf einem Ortsschild steht; wichtig ist vielmehr, was sich dahinter verbirgt! Ich strebe daher an, den Stadtteil Salzgitter-Bad langfristig in seiner Kur- und Bädertradition wieder zu profilieren. Ich halte es im Übrigen auch für wichtig und richtig, dass sich unsere einzelnen Stadtteile entsprechend ihrer Stärken und Traditionen verstärkt positionieren. Die Vielfalt unserer Stadt zeichnet Salzgitter nämlich aus! Für das Verfahren zur Prädikatisierung ist von Kosten in Höhe eines fünfstelligen Betrag auszugehen. Im Hauhalt 2008 sind zunächst  20.000 € eingeplant. In dieser Summe sind noch keine notwendig werdenden strukturellen Maßnahmen berücksichtigt - können es nach heutigem Stand auch nicht sein.

Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich mit einem persönlichen Resümee enden! Die Wahrnehmung meines Wahlamtes macht mir viel Freude - trotz der großen zeitlichen Beanspruchung. Der fast tägliche Spagat zwischen Verwaltungsarbeit und Bürgerkontakten ist besonders faszinierend. Das Spektrum der Themen, mit dem ich mich zu befassen habe, verlangt täglich, ja oft halbstündlich, eine besondere mentale Flexibilität. Was hat mich in meinem Amt besonders bewegt und beeindruckt in der langen vergangenen Zeit - emotional und intellektuell? Nur 2 Beispiele für die angedeutete Bandbreite.

Als ich als OB diese Stadt nach einer Fahrt auf dem Motorrad im BS Dom das Totengedenken für die in einem Jahreszeitraum bei Verkehrsunfällen umgekommenen Biker sprechen durfte und sollte, hat mich das schon sehr bewegt. Die mehrfachen Zusammenkünfte mit dem so erfolgreichen Lenker des 2. größten Stahlkonzerns Deutschlands, Herrn Leese, zählten für mich mit zu den Höhepunkten in den ersten Monaten, auch weil die Gespräche in so ausgezeichneter Atmosphäre abliefen. Lassen sie mich noch ein 3. Beispiel anführen: Der Besuch bei unserer britischen Partnerstadt Swindon, der so wunderbar ablief, dass der sonst eher zurückhaltende Lord Major Bardon mich beim Abschied spontan umarmte, was so noch nie vorgekommen sein soll.

Sicherlich hat es in den vergangene ersten Monaten auch Momente gegeben, wo ich spät abends ziemlich einsam in meinem Büro saß und über irgendetwas brütete, was nicht so recht vorankommen wollte. Auch die begrenzte Wirkungskraft zwingender rationaler Argumente habe ich kürzlich - wie sie wissen - registrieren müssen. Aber: Such is life!

Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben, was die Zusammensetzung des Rates angeht, ein kompliziertes Wahlergebnis bekommen. Eine „formierte" Mehrheit hat sich bis heute nicht herausgebildet. Es gibt gewissermaßen eine Minderheitenvielfalt. Ich habe in meiner Rede im letzten Ratsplenum einiges dazu gesagt. Zusätzlich heute: Ich will gerade angesichts des Ergebnisses der Kommunalwahl ein OB für alle Bürgerinnen und Bürger sein. Das Rathaus darf nicht der Palast Rathaus sein, dem die Hütten der Bürgerschaft piepegal sind. Allein das Wohl der Stadt - und damit ihrer Menschen - zählt! Lassen Sie uns also künftig lebhaft um die jeweils beste Lösung streiten! Aber sachorientiert und oberhalb der Gürtellinie!  Nur dann wird sich auch Kreativität zum Wohle der Stadt entfalten können.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!





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