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Berufsorientierung
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Rede zur Auftaktveranstaltung "BONA SZ" am 09.10.2008

Rede von Oberbürgermeister Frank Klingebiel anlässlich der Auftaktveranstaltung zum Projekt BONA SZ - Berufsorientierung und Nachwuchssicherung - am 9. Oktober 2008
- es gilt das gesprochene Wort -

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herzlich willkommen zum 1. Bildungstag in Salzgitter! Herzlich willkommen zur Auftaktveranstaltung BONA Salzgitter!

Diese Veranstaltung ist nicht nur der Auftakt für das Projekt BONA-SZ, was sich dahinter verbirgt, werden Sie gleich erfahren, diese Veranstaltung ist auch der Auftakt des ersten Salzgitteraner Bildungstags. Die Bildungstage in Salzgitter, die in der Regel jährlich stattfinden werden und unter meiner Schirmherrschaft stehen, haben die Aufgabe, die verschiedensten Akteure aus den Bereichen Bildung, Erziehung, Betreuung und Ausbildung zusammenzuführen. Dies mit dem Ziel, Probleme zu erkennen - wie zum Beispiel Übergangsprobleme von einer Bildungsinstitution in eine andere - und pragmatische Lösungen zu finden.

Durch die Bildungstage haben wir die Chance - und wir werden sie auch nutzen - neue Qualitäten zu schaffen und die Systeme zu verbessern, indem wir sie dort ändern, wo es notwendig erscheint. Dieser heutige Bildungstag und alle weiteren dienen der Vernetzung, um aus dem vielgliedrigen System ein gemeinsames mit höherer Qualität zu entwickeln. Jeder Bildungstag wird sich dabei immer einem Schwerpunktthema widmen.

So z.B. der

  • Weiterentwicklung der Ganztagsschulen,
  • der frühkindlichen Förderungsstrategien ,
  • der Zusammenarbeit der verschiedenen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen

oder auch

  • dem Thema lebenslanges Lernen.

Die Salzgitteraner Bildungstage werden unter der Federführung des Fachdienstes Bildung unter Einbeziehung aller betroffenen Institutionen vorbereitet und durchgeführt. Ich bin sicher, dass diese Bildungstage -  so auch der heutige - einen wichtigen Schritt für die Entwicklung unserer Stadt hin zur kinder- und familienfreundlichen Lernstadt bedeuten.

Lassen Sie mich zum Schwerpunkt des heutigen Bildungstages kommen: Berufsorientierung und Nachwuchssicherung in Salzgitter, kurz BONA SZ genannt, das ist das erklärte gemeinsame Ziel, das unserer Stadt, den hier lebenden Menschen und den in Salzgitter ansässigen Industriebetrieben sowie den mittelständischen Unternehmen einen sicheren Weg in die Zukunft weisen wird.

Einige werden sich fragen: „Warum brauchen wir das Projekt jetzt? Salzgitters Wirtschaft boomt doch. Die Arbeitslosenzahlen sind rückläufig. Nach jahrelanger Durststrecke geht es uns doch gut!" Alles richtig! Aber das ist eine Momentaufnahme! Ein Blick in die Zukunft zeigt drohende Risiken, aber auch gewisse Chancen auf.

Salzgitter ist der drittgrößte Industriestandort in Niedersachsen. Salzgitter ist mit seinen Großunternehmen und den zahlreichen kleinen und mittelständischen Betrieben somit ein Arbeitsstättenschwerpunkt in Niedersachsen. Ich will damit sagen: Salzgitter lebt schließlich erst richtig durch seine Menschen. Insbesondere durch diejenigen, die hier wohnen und arbeiten, aber auch durch diejenigen, die hier noch nicht wohnen, aber schon arbeiten.

Aber: Deutschlands Bevölkerung schrumpft. In einigen Gebieten dramatisch. Wir in Salzgitter verlieren seit Jahren ca. 1.000 Einwohner pro Jahr.

Und: in Salzgitter hat sich das einst so junge Durchschnittsalter der Bevölkerung rapide nach oben verschoben. Wenn dieser Trend ungebremst so anhalten würde, hätte das fatale Folgen für Salzgitter und seine Wirtschaftsunternehmen.

Unser gemeinsames Programm, Salzgitter bis zum Jahr 2015 zu einer der kinder- und familienfreundlichsten Lernstädte Deutschlands zu machen, ist der richtige und m. E. auch einzige Weg, der mittel- und langfristig Früchte tragen wird. Gut ausgebildete Menschen sowie ein hervorragendes Wohn- und Lebensumfeld bilden den Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.

Im Bereich der Schulsanierungen und der Kinderbetreuung in den Kindergärten sind wir schon sehr weit gekommen. In den Jahren 2000 bis 2006 wurden pro Jahr im Durchschnitt 4,1 Mio. € in Schulen und 9,3 Mio. € in Straßen investiert. In den Jahren 2007 bis 2012 werden wir pro Jahr im Durchschnitt 11,8 Mio. € in Schulen und 11,1 Mio. € in Straßen investieren.

Also werden wir unser finanzielles Engagement im Schulbereich fast verdreifachen, ohne im Straßenbau die Finanzmittel zurückfahren zu müssen. Und: Wir haben den Besuch in unseren Kindergärten für alle Jahre beitragsfrei gestellt. Doch wir dürfen uns auf den Erfolgen nicht ausruhen!

Ein weiteres Teilmodell in der Gesamtkonzeption einer nachhaltigen Zukunftssicherung ist BONA Salzgitter. Technologieintensive Industrien boomen, das weltweite Wissen wächst rasant. Die Sicherung des Wirtschaftswachstums ist nur mit gut qualifizierten Fachkräften möglich. Dies gilt insbesondere für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland. Unser Rohstoff sind die Köpfe unserer Menschen, deshalb ist es eine Frage der Zukunftsvorsorge, dass alle Menschen ihre Fähigkeiten und Talente entwickeln können.

Der konjunkturelle Aufschwung hat nicht nur zu mehr Beschäftigung, sondern auch zu einer stark anziehenden Nachfrage an Fachkräften und Ingenieuren geführt. In einigen Branchen ist bereits Fachkräftemangel spürbar, hinzu kommt der demografische Wandel. Etliche Unternehmen melden Rekrutierungsschwierigkeiten für bestimmte Bereiche. Besonders Menschen mit Abschlüssen in den Fächern Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften, die sogenannten MINT-Fächer, sowie mit Abschlüssen auf Techniker und Meisterebene in technischen Bereichen werden gesucht. Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich zusammen mit Peter-Jürgen Schneider, dem Personalvorstand der Salzgitter AG, dieses Projekt initiiert. 

Ich bin unseren BIG FIVE - der Salzgitter AG, Alstom/LHB, Bosch, MAN und VW -, Herrn Eitge, dem Leiter der Bundesagentur für Arbeit in Braunschweig, Herrn Warnecke, dem Geschäftsführer der Projekt Region Braunschweig GmbH, sowie unseren Schulleiterinnen und Schulleitern mit deren Kollegium sehr dankbar, dass sie alle dieses mehrjährige Projekt vehement unterstützen und tragen. Danke für Ihr Engagement!

Dieses Modell, das Projekt Berufsorientierung und Nachwuchssicherung für gewerblich-technische und naturwissenschaftliche Berufe unter veränderten demografischen Bedingungen, wird von Salzgitter in die ganze Wirtschaftsregion ausstrahlen. Erfolgsfaktoren einer Stadt sind seine Bürgerinnen und Bürger. Erfolgsfaktoren eines Unternehmens sind seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Beide, Stadt und Unternehmen, verfolgen das gleiche Ziel: Beide wollen den Standort Salzgitter dauerhaft sichern und ausbauen!

Die Stadt will das mit und für ihre Bürgerinnen und Bürger tun. Die Unternehmen wollen das für sich, aber auch für ihre und mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tun. Mit anderen Worten: Gefragt sind Qualifikation, Ideen und Tatkraft. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt.

Eines ist ganz klar: Die Industriestadt Salzgitter und die Wirtschaftsregion brauchen qualifizierte Fachkräfte und Ingenieure. Unsere Unternehmen und damit meine ich nicht nur die „Big Five", sondern auch die kleinen und mittleren Unternehmen, benötigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Fähigkeiten und Leistungen den weiter steigenden Anforderungen entsprechen.

Die Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität unserer Stadt hängt auf das Engste von der positiven Entwicklung unserer Betriebe ab. Ohne ausreichend qualifizierte Kräfte (sowohl im produzierenden Bereich als auch im Bereich Forschung und Entwicklung) kann es keine positive Entwicklung für die Betriebe geben. Umgekehrt sichert eine positive wirtschaftliche Entwicklung den Bestand von qualifizierten Arbeitsplätzen. Schließlich sollen junge Menschen in dieser Stadt die Möglichkeit zum Lernen, zum Arbeiten, zum Erwerb bester Qualifikationen auf unterschiedlichsten Ebenen haben.

Ohne es dramatisieren zu wollen, wir sichern mit diesem mehrjährigen Projekt die Zukunftschancen unserer Stadt als drittgrößter Industriestandort in Niedersachsen, und wir sichern die Zukunftschancen unserer jungen Menschen. Ich möchte unseren Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, nicht nur in Salzgitter behütet aufzuwachsen, sondern auch in ihrer Stadt nach Lehre oder Studium eine Arbeit zu finden, eine Familie zu gründen und ihren Lebensmittelpunkt hier zu haben.

Ich wiederhole es noch einmal: Dieses Projekt ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunftssicherung unserer Stadt und der Wirtschaftsregion. Dieses Projekt, meine Damen und meine Herren, an der die unterschiedlichsten Akteure aus der Wirtschaftsregion beteiligt sind, ist für mich auch ein Projekt, das zeigt, wie wir in der Wirtschaftsregion zusammenarbeiten können, ohne gleich die kommunalen Grenzen aufzuheben. Ich denke, es sind solche praktisch ausgelegten Projekte, die der Wirtschaftsregion helfen, sich - auch im Wettbewerb zu anderen Wirtschaftsregionen - gut und zukunftsträchtig zu positionieren.

Meine Damen  und Herren, der französische Dichter Antoine de Saint Exupéry, der vielen als Verfasser des kleinen Prinzen bekannt ist und als Flieger durchaus auch einen technischen Hintergrund hatte, sagte: "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer". Das heißt auf dieses Projekt bezogen: Wenn wir das Interesse an Naturwissenschaften und Technik nachhaltig wecken und entwickeln wollen, müssen wir früh und grundsätzlich damit anfangen.

Die Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik werden wesentlich in der Schule geweckt, das muss früh gefördert werden, sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich. Dazu bedarf es einer guten Ausstattung der Fachräume in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen. Dazu bedarf es vor allem auch engagierter Lehrerinnen und Lehrer, die begeistern und vermitteln können. Dazu bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen den Schulen und den Betrieben. Allen diesen Aufgaben hat sich das Projekt zu stellen.

Wir haben uns erst einmal in den Schulen auf die Bereiche Sek. I und II und bei den Unternehmen auf die BIG FIVE als Projektteilnehmer beschränkt. Wir wollten das Projekt nicht überfrachten. Wir haben aber die feste Zielsetzung, langfristig bereits in den Grundschulen zu beginnen und die klein- und mittelständischen Unternehmen einzubinden. Genauso wie wir auf andere Akteure wie z.B. die Gewerkschaften und die Wissenschaft zugehen werden, wenn sich der Bedarf abzeichnet. Ich bin sicher, dass es uns gemeinsam gelingen wird, diese Arbeit zu meistern.

Ich wünsche dem Projekt BONA Salzgitter (Berufsorientierung und Nachwuchssicherung  für gewerblich-technische und naturwissenschaftliche Berufe unter veränderten demografischen Bedingungen) und allen an diesem Projekt Beteiligten einen guten Start und nachhaltige Ergebnisse. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!



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