Zweites Hochhaus vor dem Rückbau
Nachdem bereits ein erstes Gebäude beseitigt wurde, steht nunmehr der Rückbau eines zweiten an. Oberbürgermeister Helmut Knebel und die beiden Geschäftsführer der Munte Immobilien, Sven-Thomas Munte und Martin Streppel, kündigten am 20. Dezember 2005 in einem Pressegespräch den Rückbau des Hauses Kattowitzer Straße 217 an.
Für Oberbürgermeister Knebel ist die Massnahme zwar "mit einer gewissen Wehmut verbunden, aber kein Grund zu großer Traurigkeit". Das Seeviertel sei ein typisches Produkt der "Wirtschaftswunderjahre" mit dringendem und drängendem Wohnungsbedarf. Jetzt habe sich Salzgitter auf Gegenwart und Zukunft einzurichten. Für die Bevölkerung werde mit den eingeleiteten und bereits realisierten Massnahmen im Stadtumbau West nun das nächste Impulsprojekt sichtbar.
Knebel erinnerte daran, dass Salzgitter eine von 16 Pilotstädten in Deutschland im Programm Stadtumbau West sei und die Herausforderungen der demographischen Entwicklung annehme. "Bevölkerungsrückgang ist überall zu registrieren", unterstrich der Verwaltungschef erneut, "aber wir agieren statt zu reagieren, um Wohnen und das Wohnumfeld wettbewerbsfähig zu halten." Mit den von Munte Immobilien gemanagten Investitionen werde der Nachweis angetreten, dass der Rückbau von Wohnungen und der Umbau eines Stadtviertels für ein Wohnungsunternehmen zukunftsweisend sei.
Der erfolgreiche Einsatz von Fördermitteln sollte andere Wohnungsbauträger ansprechen, so der Oberbürgermeister weiter, sich gemeinsam mit der Stadt Salzgitter an Stadtumbauprogrammen des Bundes und der Länder zu beteiligen. Lobenswert sei die enge Kooperation zwischen Munte Immobilien, der Stadt Salzgitter (Fachdienst Stadtentwicklung und Bauordnung), der Diakonie und anderen Akteuren des Projektes Seeviertel.
Thomas Munte und Martin Streppel betonen, dass die Modernisierung einzelner Wohnungen und Häuser - wie bisher geschehen - nicht mehr ausreiche. Heute sei es die Herausforderung für professionelles und vitales Immobilien-Management, sich um die Ganzheit eines Wohnviertels zu kümmern. Dazu gehöre neben den Modernisierungen insbesondere die Verbesserung des Wohnumfeldes, z.B. durch neue Wege, die das Viertel kreuzen, die Ansiedlung von ortsnahen Einkaufsmöglichkeiten und der optische Eindruck eines Viertels nach außen - und damit auch sein Image. Von entscheidender Bedeutung wären darüber hinaus viele weiche Faktoren. Wenn sich die Bewohner eines Viertels wohlfühlten, dort gerne wohnen und Angebote vorfänden, die das Leben im Stadtteil lebenswert erhalten, dann könne ein Investor mit seinen Immobilien langfristig Erfolg haben.
Munte Immobilien hat im Seeviertel bereits in mehreren Bauabschnitten Wohngebäude modernisiert, zuletzt ein Hochhaus mit 5,6 Millionen Euro. 2004 wurde in Kooperation mit der Diakonie-Kreisstelle Salzgitter der Seeviertel-Treff, als erstes Impulsprojekt, ins Leben gerufen und umgebaut. In der Versuchsphase befindet sich der Wochenmarkt im ehemaligen Einkaufszentrum mit vorwiegend regionalen landwirtschaftlichen Produkten. Dieses soll im nächsten Jahr zu einem Zentrum mit hoher Aufenthaltsqualität (Marktplatz der Kommunikation) unter einer Zeltdachmembrane ausgebaut werden. Darüber hinaus wird es einen neuen Fußweg zum Salzgittersee geben, größere Spiel- und Aufenthaltsbereiche als Quartierspark, umgestaltete Einfahrtsbereiche für den Fahrzeugverkehr, eine Garagenanlage und aufgewertete Frei- und Grünflächen zwischen den Wohngebäuden.
Das Seeviertel liegt zwischen der City Lebenstedt und dem Salzgittersee. Das in den 60er und 70er Jahren entstandene Quartier ist durch drei-bis viergeschossigen, teilweise achtgeschossigen, Mietwohnungsbau geprägt. Ein Einkaufszentrum aus den 60er Jahren hat längst seine Bedeutung als Nahversorger verloren. Munte Immobilien will nun zunächst 48 Wohnungen in Gebäuden mit Plattenbauweise zurückbauen, die aufgrund ihrer ungünstigen Lage direkt an der stark befahrenen Kattowitzer Straße und des Gebäudezustandes nicht mehr marktfähig sind. Die kaufmännischen Verluste aus der Rückbaumaßnahme und den Betrieb der sozialen Einrichtungen trägt das Unternehmen selbst, der Stadt werden keine Folgekosten entstehen.
