Amphibien wandern wieder
Mit dem Einsetzen einer milderen Witterung und nächtlichen Temperaturen um acht Grad Celsius werden wie in jedem Frühjahr wieder Tausende der Tiere ihrem Instinkt folgen und sich gemeinsam auf den Weg zu ihren angestammten Laichgewässern machen.
Dort wo zwischen Winterquartier und Laichplatz eine stark befahrene Straße liegt, kann diese Wanderung für viele der kleinen "Straßenkreuzer" zur lebensgefährlichen Etappe werden.
Bedenkt man nur, daß die "schwerbeladenen" Krötenweibchen zum Überqueren einer zweispurigen Straße zum Teil mehr als fünf Minuten brauchen und viele Tiere zudem noch eine Schreckstellung einnehmen, wenn sie vom Scheinwerferlicht angestrahlt werden. Die Wanderungen erfolgen erfahrungsgemäß in der Dunkelheit zwischen 19.00 Uhr und 24.00 Uhr, bisweilen auch noch in den frühen Morgenstunden.
Der Wanderungsbeginn ist stets witterungsabhängig und an ausreichende Lufttemperaturen sowie auch eine höhere Luftfeuchtigkeit gebunden. Gerade in warmen Regennächten, wo sich zum Teil hunderte der Amphibien zugleich auf Wanderschaft begeben, werden dann immer wieder zahlreiche Tiere überfahren. Dies stellt nicht nur für die Verkehrsteilnehmer, die durch überfahrene Tiere ins Schleudern geraten können, eine erhebliche Gefahr dar, sondern kann bei entsprechendem Verkehrsaufkommen sogar zur Ausrottung eines Amphibienbestandes innerhalb weniger Jahre führen.
Als bisher bekannte "Wanderstrecken" sind in Salzgitter folgende Straßenabschnitte zu nennen, an denen äußerste Vorsicht geboten ist:
Thiede: Ab Mühlenteich, ca. 600m in Richtung Leiferde
B 248: Ortsausgang nördlich von Thiede in Höhe des Thieder Lindenberges
L 618: Höhe Beddinger Holz/Langes Holz
Hoheweg: Südl. Beddinger - / Langes Holz ab Bahnübergang etwa 1 km in Richtung Eisenhüttenstraße
Heerte: Nördlich von Heerte in Höhe der Gießerei
B 248: Ortsausgang nördlich von Barum bis zur Schlackenhalde Friedrich
Osterlinde: Kreisstraße 2 ab Forsthaus Osterlinde bis Ende Lesser Wald (zeitweilige Vollsperrung!)
Lichtenberg: Kreisstraße 1 vom Burgberg-Parkplatz in Richtung Oelber a. w. W. (zeitweilige Vollsperrung!)
L 472: Zwischen Salder und Gebhardshagen
Gebhardshagen: Von der Straße "Am Berg" in Ri. Gustedt bis nach Haverlahwiese
K 21: Zwischen Gebhardshagen und Lobmachtersen im Bereich des Heerter Strauchholzes
Lobmachtersen: Ab Eisenbahnbrücke bis zum Ende des Waldgebietes
Flachstöckheim: Ortseingang aus Richtung Groß-Flöthe bis Höhe Mühlenteich
L 512: Zwischen Groß-Mahner und Ohlendorf auf der Höhe der
Grüte
SZ-Bad: Breite Straße ab Höhe Holthusenweg bis zum Städt. Krankenhaus
SZ-Bad: Bismarckstr. in Höhe des Greifparks
SZ-Bad: Regenwasserrückhaltebecken an der Zufahrt zum Mahner Berg
B 248: Vor der Abfahrt Groß-Mahner auf ca. 600m in Richtung Beinum
Um für die Amphibien die Gefahr bei der Straßenüberquerung weitgehend auszuschalten, haben Mitarbeiter der Stadt Salzgitter auch in diesem Jahr wieder an den entsprechenden Straßenabschnitten grüne Fangzäune errichtet. Die Tiere laufen an diesen Zäunen entlang und fallen dann in eingegrabene Eimer, die ein- bis zweimal täglich am anderen Straßenrand ausgeleert werden müssen.
Für eine extrem lange und durch Fangzäune nicht ausreichend zu sichernde Wanderstrecke im Bereich der Kreisstraßen 54, 1 und 2 zwischen Lichtenberg/Osterlinde und Oelber am weißen Wege ist darüber hinaus - wie auch in den vergangenen Jahren - eine zeitweilige nächtliche Vollsperrung vorgesehen. Gesperrt wird witterungsbedingt an ca. 15 Tagen, und zwar während der Winterzeit (bis einschließlich 27. März) jeweils zwischen 19.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens sowie mit Beginn der Sommerzeit jeweils von 20.00 Uhr abends bis 6.00 Uhr morgens. Eine rechtzeitige Ausschilderung der Sperrung erfolgt an den Ortseingängen. Die Verkehrsteilnehmer werden bereits an dieser Stelle um Verständnis für diese dringend erforderliche Schutzmaßnahme gebeten.
Durch das Aufstellen der bekannten Hinweisschilder "Achtung Krötenwanderung" an allen Wanderstrecken und teilweise auch durch Geschwindigkeitsbegrenzungen werden Autofahrer zudem gebeten, dort besonders in regenwarmen Nächten bis Ende April auf wandernde Kröten und andere Lurche zu achten. Auch auf die häufig im dunklen Straßenbereich befindlichen Helfer, die die Tiere einsammeln und sicher über die Straßen bringen, muss Rücksicht genommen werden.
Um sich bei der Betreuung der Strecken, die sich häufig über mehrere Wochen hinzieht, auch einmal abwechseln zu können, sucht die untere Naturschutzbehörde auch im Hinblick auf die Schutzaktionen kommender Jahre noch ehrenamtliche Helfer, die vor allem das Sammeln der Kröten und Molche in den Abendstunden übernehmen können. Wer Interesse daran hat, kann sich unter der Telefonnummer 05341 / 839-3695 melden.
Mitarbeiter der Naturschutzbehörde oder erfahrene Sammler werden dann einweisen und wenn nötig, mit den Örtlichkeiten vertraut machen. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, erst einmal nur reinzuschnuppern und den bisherigen Helfern über die Schulter zu schauen, um dann im nächsten Jahr die Betreuung einer Wanderstrecke übernehmen zu können.
Damit die Arbeit der freiwilligen Helfer, die auf jeden Fall für ein regelmäßiges Umtragen der Tiere sorgen, nicht erschwert wird und keine unnötigen Kosten entstehen, wird bereits an dieser Stelle darum gebeten, Krötenzäune und Fangeimer nicht zu verändern oder zu entfernen. Auch sollten den Eimern keine Tiere entnommen werden, da mit dem Absammeln zugleich der Bestand der verschiedenen Amphibienarten ermittelt wird und wichtige Prognosen für den Wanderungsverlauf erfolgen.
Durch umsichtige Fahrweise kann zudem das Leben vieler Tiere gerettet und mancher Unfall vermieden werden.

