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Gedenkstätte
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Gedenkstätte Erfassungsstelle

In Salzgitter fand am 9. November eine Festveranstaltung zur Einweihung der Gedenkstätte Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen, einem Teilstück der ehemaligen Berliner Mauer, statt.
Von links: Frank Klingebiel, Knut Kreuch und Dr. Hans-Jürgen Grasemann. Großbildansicht

Gemeinsam mit seiner thüringischen Partnerstadt Gotha erinnert Salzgitter damit an 20 Jahre Deutsche Einheit. An der Festveranstaltung in Salzgitter-Bad nahmen jeweils rund 80 Jugendliche und junge Menschen aus Gotha im Alter zwischen 16 und 27 Jahren sowie Schüler des Gymnasiums Salzgitter-Bad teil.

Zu ihnen sprachen die beiden Oberbürgermeister Frank Klingebiel und Knut Kreuch (Gotha) sowie Ehrenbürger Hermann Struck, der neben Oberstadtdirektor a.D. Dr. Hendrik Gröttrup die Partnerschaftsverhandlungen mit Gotha führte. Referent war der ehemalige Sprecher der Zentralen Erfassungsstelle, Dr. Hans-Jürgen Grasemann.

In Anwesenheit des weiteren Ehrenbürgers Rudolf Rückert, des SPD-Bundestagsabgeordneten Sigmar Gabriel, des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jochen-Konrad Fromme (CDU) sowie weiterer Repräsentanten aus Rat und Verwaltung bekannte Klingebiel, dass die Erfassungsstelle den DDR-Bürgern zwar nicht direkt habe helfen können, aber sie habe Unrechtstaten registriert. Für sie sei sie ein "Zeichen der Hoffnung", für das SED-Regime ein "Dorn im Auge" gewesen, was sich in den Verhandlungen mit Gotha über den Partnerschaftsvertrag gezeigt habe.

Struck bestätigte das erklärte Ziel der Verhandlungspartner in 1988 auf Seiten Gothas und übergeordneter Instanzen, die Erfassungsstelle aufzulösen und einen entsprechenden Passus im Vertrag aufzunehmen. Dem habe sich die Stadt Salzgitter erfolgreich widersetzt. Der Vertrag hätte wie viele andere deutsch-deutsche Partnerschaften zunächst keine breiten zwischenmenschlichen Begegnungen ermöglicht. Diese seien erst durch die friedvolle Revolution und die Mauer- und Grenzöffnungen möglich geworden.

Kreuch, 1966 geboren, vergaß nicht die Rolle der Kirchen in der DDR zu unterstreichen, die schon vor dem Mauerfall für die Teilnehmer an den Massendemonstrationen im Herbst 1989 einen gewissen Schutz geboten habe. Er bekräftigte, "das deutsche Volk dürfe nie wieder durch Mauer und Stacheldraht getrennt werden." In Sachen Freiheit gelte es stets neue Ziele aufzunehmen, sei es in Europa oder für andere Nationen in der Welt, die noch durch eine fast undurchlässige Grenze geteilt seien.

Seit dem Mauerbau 1961 hat die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen systematisch alle verfügbaren Informationen über Verbrechen und Verletzungen der Menschenrechte in der DDR und an der deutsch-deutschen Grenze zusammengetragen, erläuterte ihr ehemaliger Sprecher Dr. Grasemann. Sie habe Vorermittlungen geführt und Beweise gesichert, aber nie Anklagen erheben können - auch nach 1989 nicht. Aber die Erfassungsstelle sei in der DDR ein Symbol gewesen und habe vielleicht mäßigend auf Akteure im Staatsapparat gewirkt. Tiefe Einblicke in das Strafsystem der DDR  habe sie durch Gespräche mit rund 34.000 freigekauften Bürgern gewinnen können.

Moderiert von Schulleiter Stephan Speer hatte den musikalischen Rahmen für die Festveranstaltung die Big Band des Gymnasiums Salzgitter-Bad gesetzt. Für die Gäste aus Thüringen gab es darüber hinaus eine Stadtrundfahrt zu markanten Punkten der Zeitgeschichte Salzgitters, so zum Monument in der Innenstadt von Salzgitter-Lebenstedt.

Das Berliner Mauerteil war zu Beginn des Jahres vom Fachdienst Kultur ersteigert worden und im Juni in Salzgitter eingetroffen. Ein Immobilien-Unternehmen aus Lünen in Westfalen hatte es vom Bund erworben. Sein ursprünglicher Standort war am Spreebogen Ecke Schiffbauerdamm/Reinhardtstraße. Das Mauerteil ist 2,7 Tonnen schwer, einen Meter breit und 370 Zentimeter hoch.

Montag, 09.11.2009




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