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Sprachkurse für Flüchtlinge

Am 4. Mai 2015 wurden 12 Männer und drei Frauen, die vor Gefahr und Not aus ihrem Heimatland Syrien nach Deutschland geflohen sind, im AWO im Stadtteilzentrum Fredenberg (AWiSTA) Fredenberg willkommen geheißen.
15 Flüchtlinge aus Syrien erhielten ihr Sprachzertifikat aus den Händen der Ersten Stadträtin Christa Frenzel (2. Reihe, 2. von rechts) und Sprachdozentin Özlem Zengin (2. Reihe, rechts) Großbildansicht

AWiSTA stand vor der Aufgabe diesen Menschen, die oftmals kein einziges Wort Deutsch sprechen konnten, die Grundlagen der deutschen Sprache beizubringen und ihnen eine allgemeine Orientierung in ihrer neuen Heimat anzubieten.

Insgesamt drei Monate hatten die Dozentinnen und Dozenten hierfür Zeit. Die Erfahrung der Mitglieder in den vergangenen Jahren mit Sprachanbahnungskursen für Frauen mit Migrationshintergrund nach dem AWiSTA-eigenen NeLe Konzept (Neue Lernformen für Frauen mit Migrationshintergrund) hat immer wieder gezeigt, dass ein alleiniger theoretischer Sprachunterricht für das Erlernen der deutschen Sprache nicht ausreichend ist.

Erst die Kombination von Theorieunterricht und praktischer Anwendung des Gelernten in einem zunächst noch geschützten Raum nimmt den Menschen nach und nach ihre Angst sich trotz geringer Sprachkompetenz Fremden oder auch einer größeren Gruppe mitzuteilen.

Özlem Zengin, die der Verein als Sprachdozentin für diesen Kurs gewinnen konnte, war von Anfang an begeistert über den immensen Lernwillen der Teilnehmer/innen. Ihr zur Seite standen Gabrial Lado, der von Anfang an als Dolmetscher fungierte und den Kurs begleitete; Emine Yilmaz, die ihre reichhaltige Sprachkurs-Erfahrung an die 22-jährige Özlem weitergab und sie in den ersten Wochen einarbeitete und Nadia Mhamdi (Kinderbetreuung), die nicht nur die Kinder während des Unterrichts liebevoll betreute, sondern auch unermüdlich übersetzte und überall dort, wo Hilfe gebraucht wurde, einsprang.

Inhalt der AWiSTA-Sprachkurse

Für die 15 Flüchtlinge ging es zunächst einmal darum grundlegende Bausteine der Kommunikation in verschiedenen Feldern (Tageszeiten und Tagesablauf, Begrüßung, Vorstellung und Familie, Haushalt und Wohnen, Gesundheit, Arbeiten und Lernen, Behörden, Verkehr und vieles mehr) zu erfassen und einen Grundwortschatz zu erwerben, wobei der Schwerpunkt auf der mündlichen Kommunikation lag.
Darüber hinaus bekamen die Teilnehmer/innen des Kurses die Gelegenheit, die anderen Besucher des AWiSTA kennenzulernen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Diese Kontakte waren sehr wichtig, da hier das Anwenden der theoretisch erlernten Sprachkenntnisse im Kontakt mit deutschen Besucher/innen ausprobiert werden konnte.

Durch die neu eingegangene Kooperation mit der Ev.-luth. Kirchengemeinde Friedenskirche konnten die Männer und Frauen über den Start-Kurs hinaus an den Sprachuntterichtseinheiten der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen im Käthe-Kollwitz-Haus teilnehmen. Zusätzlich besuchten sie an einigen Tagen gemeinsam das Willkommenscafe des Freundeskreises, bei dem die Teilnehmer/innen mit Kaffee und Kuchen verwöhnt und vor allem auch sehr herzlich und mit offenen Armen aufgenommen wurden. Der Kontakt zu Pastor Martin Schulz und den Gemeindemitgliedern der Kirche hat nicht unerheblich dazu beigetragen Vorurteile gegenüber den Flüchtlingen erst gar nicht aufkommen zu lassen oder aber auch bestehende abzubauen.

Abgerundet wurden diese drei Monate durch kleinere Exkursionen, besonders zu Beginn des Kurses sowie dem Besuch von Fachleuten, die Diskussionen mit und ohne Dolmetscher über verschiedene Alltagsthemen begleiteten.

Hintergrund

Die Stadt Salzgitter hat das Ziel, die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft so schnell wie möglich bei ihrer Integration zu unterstützen. Dreh- und Angelpunkt ist die Sprachgewöhnung und eine rasche strukturierte Sprachförderung.

Bestehende aufenthaltsrechtliche Sprachfördersysteme greifen leider erst nach einer Klärung des Aufenthaltsstatus und damit bislang frühestens nach zirka 6 bis 9 Monaten. Die Kurse sind Bestandteil der Präventionskette für Flüchtlinge in Salzgitter (www.start-sz.de ).

Sprachkurse im Rahmen von "Start in SZ"

Die Sprachkurse im Rahmen der Willkommenskultur "Start in SZ" schließen diese Lücke und vermitteln frühzeitig einen erweiterten Grundsprachschatz. Eine Streuung des Angebotes im Stadtgebiet ist auf Initiative der Stadt Salzgitter durch die Kooperation mit verschiedenen Trägern in Lebenstedt, Salzgitter-Bad und künftig auch in Gebhardshagen sicher gestellt.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Start-Kurse ist die Kombination von Sprache und Vermittlung von Kenntnissen zum neuen Lebensumfeld. Hierbei ist weder Deutsch noch die Herkunftssprache die Unterrichtssprache der Teilnehmenden. Begonnen wird mit einem elementaren Wortschatz und viel Improvisation. Die Anforderungen an die Dozenten gehen damit über das Maß altbekannter Unterrichtsmethoden hinaus.

Finanzierung

Finanziert werden die Sprachkurse aus Spenden und dem städtischen Haushalt. Alle Kooperationspartner freuen sich über die finanzielle Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger und bedanken sich für diese Hilfe für den Start der Flüchtlinge in Salzgitter

Kurslaufzeit

Die Kurse laufen 12 Wochen in kleinen Gruppen von 10 bis 15 Personen. Die Teilnehmer werden vom Fachdienst Soziales und Senioren der Stadt Salzgitter den Kursen zugesteuert. Kriterien sind die Verweildauer in Deutschland und das Interesse an einem kontinuierlichen Spracherwerb. Die Sprachkurse richten sich an Erwachsene. Sprachgewöhnung und Spracherwerb der Kinder wird über die Regelsysteme in den Kindertagesstätten und den Schulen unterstützt.
An vier Tagen wird in jeweils 3 Unterrichtsstunden die deutsche Sprache vermittelt, in einer vierten Unterrichtsstunde werden die Teilnehmenden zu aktuellen Fragen des Alltags in Deutschland informiert und tauschen sich aus. Am fünften Wochentag findet eine Exkursion zu alltagsrelevanten Institutionen wie Stadtbibliothek, Schulen, Kindertagesstätte, Klinikum und Behörden statt.

Motivation der Flüchtlinge

Entscheidend ist neben dem reinen Spracherwerb die Motivation der Flüchtlinge zur Nutzung eigener Potentiale. Die Flüchtlinge sollen nach der Zeit von Flucht und Entbehrung erfahren, wie sie wieder über ihren Alltag und ihre Freizeit selbst bestimmen können. Bei Bedarf wird eine Kinderbetreuung gestellt.

Weiterentwicklung der Kurse

Derzeit arbeitet die Stadt Salzgitter an einer Weiterentwicklung der verschiedenen Sprach- und Start-Kurse im Sinne eines Baukastensystems zum Erwerb der Sprachkompetenzen zur Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt.

Freitag, 31.07.2015




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